Der Wahrheit ins Gesicht

Der Wahrheit ins Gesicht

Ich bin in letzter Zeit ziemlich unpolitisch geworden. Das ist auch o.k., schließlich ist dies hier ein erklärtermaßen unpolitischer Blog.

Es gibt viele vergessene Kriege auf dieser Welt. Weil es keine Einschaltquoten bringt, immer wieder über das Gleiche zu berichten, geraten sie in Vergessenheit – und bleiben es zumeist. Traurig, aber wahr: Die Medien sind ein großer Teil unseres Bewusstseins, Wissens und Gewissens geworden. Oder wenigstens besitzen sie immensen Einfluss darauf. (Stelle dir vor, es ist Krieg und der Fernseher geht kaputt.)

Derzeit ist ein Konflikt wieder in den Vordergrund gerückt, der schon lange existiert und Menschenleben fordert. Um das aktuelle Geschehen halbwegs zu verstehen, muss man die Geschichte kennen. Die momentane Eskalation jedoch lässt mich einmal mehr am menschlichen Verstand zweifeln.

(c) DPA

Wie in aller Welt können Menschen glauben, dass sie sich Sicherheit verschaffen können, indem sie in einen souveränen Staat einmarschieren, dessen Infrastruktur zerstören und Zivilbevölkerung töten? Wer glaubt ernsthaft, mit einer Armee eine verdeckt operierende terroristische Organisation zerschlagen zu können? Werde ich denjenigen, der den Terroristen in meinem Nachbarhaus erschießt, lieben oder hassen, wenn er gleichzeitig auch meine Kinder ermordet?

Der Krieg Israels gegen den Libanon und die Palästinenser im Süden wird im Moment zur Genüge diskutiert, ich muss das nicht auch noch tun. Deswegen stelle ich nur diese von der Komplexität des weltpolitischen Geschehens entrückten Fragen.

Nicht, dass ich ernsthaft Antworten erwarte. Nicht von denen, die es ändern könnten.

“Töte einen, und du bist ein Mörder. Töte hundert, und du bist ein Psychopath. Töte tausend, und du bist ein Held!”

Kidnapping Eugen (3)

Kidnapping Eugen (3)

Eugen schaute verwirrt. Gerade eben hatte dieser fiese Hüne, der sich Captain Grimm nannte, Manni aus der Zukunft eine verpasst.

„Du bist wirklich der größte Depp, der mir je über den Weg gelaufen ist“, hatte der martialisch wirkende Grimm gesagt, als ein zweiter Manni aus einer Luke* in der Wand erschienen war. Mit einem geröteten Kinn.

Noch mehr Trockeneis war dampfend zu Boden gefallen.

“Sind Sie Captain Grimm?”

“Zur Hölle, ja!” hatte der nicht wenig erstaunte Captain gesagt.

“Ein Anruf von Ihrer Mutter. Sie haben wohl vor der Zeitreise vergessen, Ihren Herd auszuschalten. Ihre Mutter sagt, sie sollen sich das Chaos jetzt anschauen, damit Sie wissen, warum Sie am besten gleich zurückkommen und das in Ordnung bringen. Aber zack, zack. Sie ungezogener Bengel, Sie.”

Ein Knurren war gefolgt, begleitet vom Klicken einer dann entsicherten Beretta.

“So sagte es Ihre Mutter! Entspannen Sie sich, Herr Grimm! Und stecken Sie bloß die Kanone weg”, hatte ein sichtlich nervöser Manni entgegnet. Der, der zuvor aus der Luke gekommen war, natürlich. Der andere hatte noch immer bewusstlos am Boden gelegen.

Einige Flüche brummend hatte sich Captain Grimm daraufhin verabschiedet.

“Wie in aller Welt hast Du das gemacht, Manni?” Eugen war verwundert und hatte Hunger. Mehr noch als Hunger hatte er Durst.

“Die Jungs haben immer ihre Schwachstellen. Und Zeitreisen kannst Du für echt tolle Tricks verwenden. Komm’ jetzt, wir müssen eine Zeitreise unternehmen, damit wir nicht in einem Paradoxon gefangen werden. Geht ganz fix.” Manni öffnete die Luke und stieg hinein, Eugen hinter sich her ziehend.

“Ist Paradoxon ein Gefängnis in Griechenland?” fragte Eugen. “Nach Griechenland wollte ich ja immer schon. Können wir nicht wenigstens griechisch Essen gehen?”

“Eugen, kannst Du für einen Moment die Klappe halten? Ich vertippe mich sonst”, sagte Manni aus der Zukunft und hantierte mit einigen flinken Bewegungen an einer Konsole mit vielen bunt leuchtenden Knöpfen.

“Ach, verdammt!” entfuhr es Manni, als die Lukentür wieder aufschlug und beiden die Sonne ins Gesicht schien.

“Hey Manni, ich frage die beiden Alten da drüben mal, ob sie was zum Futtern für uns haben.” Eugen stapfte aus der Luke zu zwei älteren Herren, die auf einer Steinbank saßen und die beiden Besucher neugierig anstarrten.

“Mahlzeit, Jungs! Könnt ihr mir sagen, wo ich hier auf die Schnelle zu ‘nem kühlen Bier und ‘ner Currywurst für meinen Freund und mich komme?”

“Du bist Eugen, nicht wahr?” sagte einer der Alten. “Setz’ Dich, mein Freund. Ich bin Aristoteles. Die meisten nennen mich Totti. Das neben mir ist Rakel.”

“Ich bin das Rakel von Elfi!” sagte der andere Alte.

“Na, du hast ja echt ‘nen Schuss”, sagte Eugen zu dem Rakel, seine Verwirrung langsam als Dauerzustand akzeptierend. “Was ist denn ein Rakel?”

“Ich weissage. Ich kenne die Zukunft!” sagte Rakel und klopfte sich stolz auf die Brust, während Totti die Augen verdrehte.

“Das Rakel von Elfi?” fragte Eugen und suchte in der sengenden Hitze nach einer Imbissbude.

“Jawohl. Ich bin sozusagen noch in Ausbildung. Wenn ich es schaffe, etwas wirklich Dramatisches vorherzusagen, wenn die Leute voller Ehrfurcht ‘Oh!’ ausrufen, dann habe ich es geschafft.”

“Dann bist du ein Oh-Rakel?” Eugen gab die Hoffnung auf einen schnellen Happen auf. Außer Steinsäulen, viel Sonne und den beiden Verrückten schien es hier nichts zu geben.

“Genau!” rief das Rakel freudestrahlend. “Darf ich dir etwas über deine Zukunft erzählen, Eugen? Warte – ich sehe… Ich sehe…” Das Rakel schien ein wenig in sich gekehrt und nahm seine Zeigefinger erst an seine Schläfen, steckte dann den rechten in seine Nase und den linken in sein rechtes Ohr. Schließlich warf er sich mit einem Ruck auf den Boden, schrie mehrmals “Agaaah, agaaah!” und blieb regungslos liegen. Totti trommelte mit seinen Fingern auf der Steinbank, während das Rakel sich langsam wieder aufrichtete und bedeutungsschwanger sein Wort an Eugen richtete.

“Du wirst Besuch bekommen von einem großen Krieger, aber nur kurz. Ein Freund wird seines Freundes Hammer verlieren und ein Omogone** sein Raumschiff.”

“Aha”, sagte Eugen. Das Rakel blickte verzweifelt erst Eugen, dann Totti an.

“Mist! Mist, Mist, Mist, Mist, Mist! Ich habe mir solche Mühe gegeben. Und was passiert? ‘Aha.’ Hast du eine Ahnung, wieviel Aha-Rakel es in Athen gibt, hm? Man kann die verdammten Straßen mit Ihnen pflastern!” Das Rakel setzte sich auf die Bank und drehte Eugen den Rücken zu. Manni trat neben Eugen.

“Ah, Manni aus der Zukunft! Sei gegrüßt!” sagte Totti mit einem spitzbübischen Grinsen. “Wieder mal vertippt?”

“Frag’ nicht. Bitte.” Manni scharrte verlegen mit den Füßen. “Das Gremium wird es richten müssen, das ist das, was mich wirklich ärgert. Nun, das und die Sache mit meinem Kinn.”

“Was ist mit deinem Kinn?” fragte Totti.

“Das erkläre ich dir ein anderes Mal. Komm Eugen, es ist Zeit zu gehen.” Manni zog Eugen an der Schulter Richtung Luke***.

“Und was machst du den ganzen Tag hier?” fragte Eugen mit Blick in Tottis Richtung.

“Ich denke”, sagte Totti.

“Das ist alles? Denken?” schrie Eugen, als die Klappe zufiel.

“Ja, das ist alles”, dachte Totti.

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Manni kam langsam zu sich und rieb sich sein Kinn. Dieser Grimm hatte ihm einfach Eugen entführt. Und ihn übel ins Gesicht gehauen.

Manni blieb nichts anderes übrig, als in die Zeitreisentrickkiste zu greifen.

“Ach, Eugen”, seufzte Manni aus der Zukunft.

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“Was ich dir noch sagen wollte: Oh!” sagte Totti.

“Zu spät”, murmelte das Rakel und schritt von dannen. “Ich gehe jetzt zu Elfi und hole uns Currywurst und ‘n Bier.”

“Ach, Rakel”, seufzte Totti.

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*Sparen Sie sich die Star Wars-Witze. Bitte. Wenigstens der Grammatik zuliebe.

** Lesen Sie es nach. Es lohnt sich.

*** Und es ist noch immer nicht der junge Skywalker.

Nicht heißen

Nicht heißen

Hach, was wäre das toll. Mal wieder einen nicht heißen Tag erleben. Nicht, dass es in meinem Raketenlabor heiß wäre, das ist ja bekannt. Aber sehr wohl in den Zügen, die mich dort hinbringen. Mich und die vielen anderen Menschen.

Menschen, von denen immer einer zuviel sein Deo vergisst. Ich muss eindeutig Chef-Raktenwissenschaftler werden, damit ich eine eigene Rakete mit Chauffeur bekomme. Dem schenke ich dann einen Deostift zum Geburtstag und alles wird gut. Mit den Menschen in den Zügen kann man so etwas leider nicht machen. Die reagieren immer so unentspannt.

Und nur so nebenbei: Ein Mensch, der eines unserer Raketenforschungs-IT-Systeme supportet, hatte entweder Eltern mit einem sehr schrägen Humor oder einfach Pech. Er hat einen Namen, der seinen besonderen Charme entfaltet, wenn man ihn englisch ausspricht. Was bei uns Raketenwissenschaftlern öfter vorkommt.

Der Mensch heißt Anil Butti.

So möchte ich nicht heißen. Ehrlich nicht.

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IV

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IV

Als Laie mag man meinen, die größte Gefahr für einen Raketenwissenschaftler gehe von den Raketen selbst aus. Das ganze Feuer beim Start, Raketen, die einem auf den Kopf fallen, weil sie nicht richtig geflogen sind – doch das ist nur ein kleiner Teil der gesamten Bandbreite an Unwegsamkeiten, denen sich ein Raketenwissenschaftler stellen muss.

Die ultimativen Top Five der Gefahren sind nämlich einige, die keiner auf den ersten Blick erwartet:

Platz 5: Startende Raketen und schlecht gestartete Raketen
Ja. Die haben Sie alle erwartet. Nicht ganz zu Unrecht. So eine Rakete auf den Schädel kann ganz schön fies weh tun.

Platz 4: Schlechtes Kantinenessen
Es sterben jährlich mehr Raketenwissenschaftler an Nahrungsmittelvergiftungen als an dem Antriebsstrahl einer startenden Rakete. Ja, die meisten von uns zittern mehr, wenn es auf Mittag zugeht, als wenn die Bilder der Challenger über den Bildschirm flackern.

Platz 3: Herunterfallende Tassen von misslungenen magischen Experimenten.
Im Gegensatz zu Raketen ist noch kein Zauberer vom Himmel gefallen. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir der Herr Schmidt mit der Kaffeetasse vom Herrn Jamaleddine einen Fußzeh gebrochen hat, bis er so weit war, wie er es heute ist.

Platz 2: Schneidendes Kopier- und Druckerpapier
Jawohl, die ganzen Blaupausen, die wir anfertigen, müssen auch vervielfältigt werden. Haben Sie sich schon einmal an Papier geschnitten? Dachte ich mir. Aua.

Womit ich bei der wirklich, wirklich unerwarteten Nummer Eins, der Gefahren der Gefahren wäre…

Platz 1: Der Spalt zwischen Raute(#)- und Return-Taste
Damit rechnen tatsächlich die wenigsten. Aber wer zu hastig seine Raketenpläne und Flugbahnberechnungen eintippt, der riskiert unnötig seine Gesundheit.

Böses Erwachen nach üblem Tastatur-UnfallUnachtsamer Umgang mit PC-Tastaturen sind unter Raketenwissenschaftlern die Ursache der Ursachen für Fingeramputationen – oder Schlimmeres.

Für uns gilt deshalb ein besonderers Vorsichtsgebot. Um dem Problem Herr zu werden, wurden einst Fäustlinge als Pflichtbekleidung bei der Arbeit eingeführt. Das wurde 1986 eilig wieder verworfen, doch die Mahnung bleibt: “Bist du wieder hektisch drauf, pass’ auf deinen Finger auf!”

In allen Gängen erinnern uns Plakate wie dieses daran, mit welchem Einsatz wir tagtäglich der Menschheit dienen:

Hier lauert übelste Gefahr!
Mich erfüllt jeder neuer Tag, an dem ich mein Labor mit gesunden Fingern verlasse, mit Stolz!

Werbung

Werbung

Warum gibt es Werbung mitten im Film?

Ist doch klar: Damit man den Quark wieder in den Kühlschrank stellen kann.

Und nur ganz nebenbei: Ernest Hemingway wollte “Der alte Mann und das Meer” zunächst “Der alte Mann und das Fahrrad” nennen. Kurz darauf kam er dann zu “Der alte Mann und die kaputte Schwimmbrille”, und daraus ergab sich schließlich der eigentliche Titel. Weil der alte Mann seine kaputte Schwimmbrille nämlich im Meer verloren hat. Auf der Suche nach seinem Fahrrad.