Talking ‘Bout My Degeneration

Talking ‘Bout My Degeneration

Ich weiß, dass es Zeit fürs Wochenende ist, wenn mein Kollege das englische Wort für Manntag sucht, ganz richtig “man-day” findet, und ich daraufhin in Susanna Hoffs Stimmlage “It’s just another monic man-day” trällern möchte.

Ich habe es gerade noch unterdrücken können, aber das muss den Rest des Tages auch noch funktionieren. Drückt mir die Daumen.

Schönes Wochenende im übrigen.

Radikale Senioren

Radikale Senioren

Ich glaube, ich denke unterbewusst zu viel über das Altern nach. Wie sonst würde sich erklären, dass ich das hier sehe…

…und “Terror-Gehhilfen im Blick” lese?

[edit] Und vor allem: Was sollte das sein? Rollstuhlbomben? Ein besonders laut quietschender Gehwagen? [/edit]

Familienfeier

Familienfeier

Soeben inspirierte mich ein winziger Tippfehler zu dem nun folgenden Text. Ich sage aber lieber nicht, wer’s war, sonst wird die Frau Nora zu recht böse.

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Luigi war angespannt. Der Boss hatte manchmal ausgefallene Wünsche, aber so etwas war wirklich neu. Luigi musste sich keine Vorwürfe machen, denn er hatte sich wirklich alle Mühe gegeben. Es gibt Fragen, die man nicht stellt, wenn man zur Familie gehört, deswegen hatte Luigi einfach getan, wie ihm aufgetragen worden war.

Die Tür öffnete sich, und Banane betrat den Raum. Banane war die rechte Hand des Bosses, und Luigi hatte ihn nie nach seinem echten Namen gefragt, geschweige denn nach dem Grund, warum man ihn Banane nannte. Es gibt Fragen, die man nicht gestellt bekommt, wenn man so aussieht wie Banane.

“Luigi, was soll das da auf dem Tisch sein?”

“Das, was du mir gesagt hast, Banane. ‘De’ Boss will eine ve’dammte Gebu’tstagstote zu’ Feie’ haben. Kümme’ dich d’um, Luigi’, hast du gesagt.”

“Luigi, mamma mia, ich sagte Gebu’tstagsto’te, nicht Gebu’tstagstote.”

Beide starrten auf die alte Frau, die mit einer brennenden Kerze in der Hand und einer weiteren auf dem Kopf auf dem gedeckten Tisch saß und begonnen hatte, den Zuckerguss von ihrer Schulter abzubröseln und sich Stück für Stück in den zahnlosen Mund zu schieben.

“Und auße’dem, Luigi: Die ist noch ga’ nicht tot.”

“Sie stirbt bald an Altersschwäche, Banane. Das hat mir Marco versichert. Und er muss es wissen, schließlich ist es seine Großtante. Und selbst wenn nicht: Warte nur, bis sie angeschnitten ist!”

Es gibt Fragen, die man nicht gestellt bekommt, wenn man alt und etwas wunderlich ist.

“Schaff’ sie hie’ ‘aus, Luigi. P’onto.”

Luigi brummelte etwas Unverständliches über seinen Job, zahnlückenbedingte Sprachfehler und dass er es keinem recht machen könne. Er warf sich die vor sich hin kichernde Alte über die Schulter und stapfte aus dem Raum.

Beim nächsten Mal würde er einfach fragen. Jetzt musste er Marco seine Großtante zurückgeben, und er bezweifelte ernsthaft, dass er die zweihundert Euro wiedersehen würde, die er dafür aus seiner eigenen Tasche vorgestreckt hatte.

An Tagen wie diesen hasste Luigi sein Leben, was nicht weiter tragisch war, denn sein Leben hasste ihn auch.

Und die Alte auf seiner Schulter kicherte.

Da schau (h)er

Da schau (h)er

Der männliche Teil meiner Leserschaft kennt das Problem. Der weibliche Teil meiner Leserschaft hat es vermutlich schon erleben und erleiden müssen.

Männer schauen Frauen hinterher. Ganz gleich, ob die eigene erwählte dabei ist oder nicht. Frauen (die begleitenden jedenfalls) sind darüber oft sehr indigniert, doch muss ich hier – vollkommen unerwartet – für meine männlichen Mitleidenden eine Lanze brechen*:

Wir tun das nicht freiwillig.

Nein, das kurze Betrachten von Damen, umgangssprachlich auch gerne “Abchecken” genannt, ist ein Reflex, den wir Männer bewusst und mit viel Konzentration und Körperbeherrschung unterdrücken müssen. Ein Reflex, den uns die Natur mit der Evolution angewöhnt hat. Denn, und da kann ich aus Erfahrung sprechen: Es spielt tatsächlich keine Rolle, ob wir mit unserer Sozialintensivpartnerin (anwesend oder nicht) glücklich und zufrieden sind.

Weil die auf Fremdfrauen abschweifenden Blicke des eigenen männlichen Sozialintensivpartners von der holden Weiblichkeit oft missverstanden werden, müssen die Männer sich, so sie von der Natur in einem Moment der Unaufmerksamkeit überlistet werden, gute Gegenreaktionen antrainieren.

Aussagen wie: “Ui, hast du die Felgen an dem Auto neben uns gesehen?” oder “Ich habe dieser Frau nur aus Mitleid hinterher geschaut, weil sie an dich nicht herankommt”** können dabei den ein oder anderen Tag retten.

Und als hätten wir es nicht gewusst: Eine aktuelle Studie unterstreicht unsere Gefangenschaft in vorzeitlichen Verhaltensmustern. Bei der Partnersuche haben sich die Menschen seit Urzeiten nicht geändert, heißt es. Frauen suchten demnach einen fähigen Ernährer, während Männer schlicht die schönste verfügbare Frau wollten.

Das führt mich zum Schluss: Wir wollen uns mit dem ganzen Tamtam, das sonst noch in der Partnersuche stattfindet, nur unseren Entwicklungsstand schönlügen.

Ich gehe jetzt erst mal fünf Euro ins Chauvi-Schwein werfen und wünsche noch einen sonnigen Nachmittag.

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*Zugegeben: Diese Lanze wurde vermutlich schon öfter gebrochen. Der Begriff “Lanzenbruch” an sich ruft in diesem Zusammenhang unweigerlich durchaus passende Assoziationen hervor.

**Danke, Herr Cicero.