Mittagsgericht Texanischer Art

Mittagsgericht Texanischer Art

Wow. Da bleibt mir fast die Spucke weg. George W., über den ich nun wirklich lange schon nichts mehr geschrieben habe, hat es mal wieder geschafft.

Hier könnt (und solltet) ihr es lesen. Offenbar reicht die neu errungene demokratische Mehrheit im Senat nicht aus, um eine derartige Demontage des Rest-Rechtsstaates in den USA zu verhindern.

Um es zusammenzufassen: Wer in den USA als ausländischer Terrorist gilt, kann dort fortan vor ein Sondertribunal gestellt werden und ohne den üblichen verfassungsmäßigen Schutz von Menschen- und Bürgerrechten, dafür aber mit einem Minimum an Indizien schlimmstenfalls zum Tode verurteilt werden.

Der amerikanische Bundesgerichtshof hatte diese Regelung zu Recht abgelehnt, aber gegen das entsprechende nun aufgestellte Gesetz können auch diese Damen und Herren nichts mehr ausrichten.

Damit nehmen sich die USA das Recht, jeden Nicht-US-Amerikaner, der auch nur unter dem Verdacht terroristischer Aktivitäten* steht, schnell und unbürokratisch aus dem Wege räumen.

Land of the free, home of the brave. Mit Todesurteils-Drive In als neuester Attraktion. Kommen Sie, schauen Sie! Falls Sie glauben, Terrorist zu sein, oder denken, dass wir das glauben könnten: Besorgen Sie sich die amerikanische Staatsbürgerschaft. Mit etwas Glück greift das Bürgerrecht dann noch für Sie. Es sei denn, sie sind Demokrat, schwarz oder Moslem.

Gott schütze Amerika.**

________________
*Und ist diese Definition nicht von Interpretationsspielraum geprägt?

**Vor sich selbst. Und den Rest der Welt vor Amerika. Bitte.

Großes Krawattensterben

Großes Krawattensterben

Verflucht.

Heute ist Weiberfastnacht. Oder Weiberfasching. Oder Weiberkarneval. Wie schon erwähnt, die Hessen sind da nicht so differenziert.

Das heißt aber auch, dass heute Krawatten* ein schweres Dasein haben werden, trotz hessischer Namensindifferenz.


Schnipp, schnapp, Krawatte ab (Foto kommt aus der Wikipedia)

Und ich Depp habe heute morgen eben nicht das Weiberfaschingsmodell angezogen, sondern eines, dass den schnellen Scherentod noch nicht erleiden soll. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist folgende:

Welcher Schmerz ist schlimmer: Ohne Krawatte als Feigling dazustehen oder den vorzeitigen Verlust einer Seidenkrawatte?

Ich tendiere sehr in Richtung Feigling. Zum Glück sind in meiner Abteilung wenigstens keine Frauen, die mich dafür verspotten könnten.**

Aber Kräppel gibt es heute, weil der Herr Schmidt so nett war, welche mitzubringen. Weil ja Weiberfasching ist.

Deswegen Motto des Tages:

Hast du deine Krawatte um
und siehst Scheren in Frauenhänden,
dann, mein Lieber, sei nicht dumm
und tue schnell zur Flucht dich wenden!

_________________
*Ohne Zweifel eines der unnötigsten Kleidungsstücke, die je erfunden und ihren Weg in den Kleidungskodex gefunden haben.

**Richtig, keine Frauen, nur Männer, sprich: Entspanntes Raketenforschen.

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IX

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IX

Mobiltelefone und ihre Nutzer sind ein Thema, dass die breiten Massen seit nunmehr über einem Jahrzehnt bewegt. Es hat sich sogar so etwas wie eine Etikette etabliert.

Doch es scheint, als würde die Strahlung, die von den kleinen schnurlosen Begleitern ausgeht, den Verstand der Nutzer trotzdem gelegentlich außer Gefecht setzen*. So wäre ich geradezu begeistert von einer befolgten “Handy-Etikette für die Raketenlaborbetriebstoilette”**, denn folgende Szenen spielen sich immer wieder ab:

1. Der unauffällig-unaufhaltsame SMS-Tipper
Leicht zu erkennen am Knacken der Tasten, sendet und empfängt der unauffällig-unaufhaltsame SMS-Tipper Kurznachrichten im verschlossenen Refugium der Toilettenkabine. Einleuchtendes Handeln, denn die Ablenkungsmöglichkeiten sind dort auf ein ideales Maß reduziert.

Ist nur aufdringlich, wenn er vergisst, die Tastentöne auszustellen, oder das eigene Gehör das Tastenknacken nicht ausstehen kann.

2. Der Handy-Lautlos-Stell-Vergesser
Oftmals auch ein unaufhaltsamer SMS-Tipper, mit dem Unterschied, dass er auf der Toilette angerufen wird und das Mobiltelefon lautstark einen mehr oder weniger geschmacklosen Klingelton von sich gibt. Schamgefühl und/oder Unwillen in punkto Erreichbarkeit zu just jenem Zeitpunkt sind am nervösen Rascheln in der Kleidung und meist recht schnellen Ersterben des Anrufsignals zu erkennen. Dauert es länger, war der Angerufene vielleicht eingeschlafen***.

Der nervöse Handy-Lautlos-Stell-Vergesser hat zudem Entertainmentpotenzial: Wie leicht engtleitet ein Handy der Hand und gibt der Gravitation nach.

In Richtung Boden, mit Glück.

Direkt in die Schüssel, mit Pech.


So oder so ähnlich trägt es sich zu
(Bild gefunden bei f1online.de)

3. Der omni-erreichbare, unerschrockene Dauertelefonierer
Nicht oft anzutreffen, aber unverkennbar: Führt ein ernsthaftes, geschäftliches Telefonat in der Toilettenkabine, während um ihn herum die Verdauungs- und Spülschlacht tobt. Lässt sich dabei von absolut nichts beirren und klemmt beim Abwischen das Telefon zwischen Kinn und Schulter, falls er kein Headset hat. Bringt die Nachbarn in einen inneren Konflikt: Absichtlich lauter verdauen/spülen (erzieherische, spaßige Variante) oder Zurückhaltung üben (Spießervariante)?****

Man stelle sich den Gesprächspartner vor. Muss genau so eine harte Nuss sein, wenn er nicht anbietet, später zurückzurufen.

“Sind Sie gerade auf der Toilette?”
“Ja.”
“Hossa. Waren Sie das eben oder war das nebenan?”
“Das war ich.”
“Sie kacken, während wir telefonieren?”
“Sicher.”

Meine Empfehlung ist daher:

Gehst du an den stillen Ort, stecke bloß dein Handy fort!

_______________
*Das setzt freilich die Existenz des Verstandes vor Einschalten des Mobiltelefons voraus. Meine Feldstudien belegen allerdings, dass Verstand für den Einschaltvorgang keine Grundvoraussetzung ist.

**Blackberrys schließt das ein, und zwar im Besonderen.

***Schwangerenliegen gibt es leider nur auf einem Stockwerk. Da frage ich: Was bleibt einem müden Raketenwissenschaftler dann noch übrig?

****Es war genau so und hat mich derart beschäftigt, dass ich hier darüber schreiben muss.

Pappnasen aufziehen

Pappnasen aufziehen

Gestern war es einmal wieder so weit: Ich holte mir meine alljährliche Dosis Fasching. Oder Karneval. Oder Fastnacht. In Hessen wird da nicht so leidenschaftlich unterschieden.

Jedenfalls das, wo es verkleidete Menschen gibt und vermeintlich zwanghafte Fröhlichkeit. Frohsinn ist zwar Pflicht, weil man sonst auch zu Hause schmollen kann, aber die Schwarze Sieben hat es mir alles andere als schwer gemacht. Mit einem wundervollen, lokal eingefärbten und mit Leidenschaft dargebrachten Programm aus Tanz und Büttenreden haben die Beteiligten die beste Leistung seit Jahren hingelegt.

Ich als alter Karnevalsmuffel habe mich tatsächlich köstlich amüsiert. Und alle anderen auch. Und zwar so sehr, dass am Ende der Sitzung noch Stunden auf Stühlen, Bänken und Tischen getanzt und gefeiert wurde. Ich habe ja Frau K. in Verdacht, einige Leute angestachelt zu haben, mich auf den tollen Musikschnitt des Showballetts anzusprechen, aber sei’s drum. Gefreut hat es mich trotzdem.


Shake it, ladies and gents.

Insofern an dieser Stelle ein dreifach donnerndes “Fribbisch helau”, und das Versprechen, dass ich mich auch dieses Jahr wieder selbstopfernd als Musikschnitte anbieten werde.