Und will endlich

Und will endlich

Die Hitze ist immer noch da. Derzeit kann man sie besonders gut spüren, weil es auch noch so hübsch schwül ist.

Kein Wunder, dass mir immer noch nix Ordentliches einfällt. Darum bleibt es bei kleinen Dingen, den Alltag derzeit zu beschreiben.

Herr Schulz träumt und sieht
Sich an Frau Meier labend
Dort ist ein Pferd
Durch einen Weiher trabend
Am Bordstein steht ne Frau
Keinen Freier habend
Daneben sitzt ein Hund
An seinen Eiern nagend
Die Klimaanlage brüllt
Auf Stufe drei versagend
Die Sonne sengt
Gar einen Geier plagend
Käfer sitzen auf Blumen
Einen flotten Dreier wagend
Die Kinder stehen dabei
Ganz laut “Oweia!” sagend
Du bist tapfer
Meine Blödelei ertragend
Ich sitze hier und warte
Und will endlich Feierabend


Hitzefrei

Hitzefrei

Das Sommerwetter und meine Karnevalmusikschneidesessions hinterlassen offenbar ihre Spuren.

In der Hoffnung auf Geistvolleres, wenn’s kühler wird…

Und während ich hier sitze
Seh’ ich die Sonne und ich schwitze.
Meine Herren, ist das heiß!
Am Körper fühl’ ich nur noch Schweiß.


Doch muss ich ehrlich euch gestehen:
Eigentlich kann ich’s nur sehen.
Schwitzen tu ich gar nicht sehr,
Nur hitzefrei bleibt mein Begehr.

Von Hitze frei ist’s hier ganz prima,
Dank aufwändig gekühltem Klima.
Trotz alledem muss ich hier sitzen.
Viel lieber tät’ ich draußen schwitzen!

Alltag eines unbekannten Superhelden

Alltag eines unbekannten Superhelden

Die Menschheit braucht Helden. Eigentlich zu jeder Zeit, und jede Zeit scheint ihre Helden zu haben. Deutschland hat gerade wieder welche bekommen, und die müssen sogar kaum mehr tun, als ein Stück Leder erfolgreich über eine Grünfläche zu treten. Und für die Damenwelt gut ausschauen und besser die Klappe halten.

(c) Walter Moers & Eichborn Verlag
Da Helden oft nicht mehr reichen, haben sich Comics dem Thema Superhelden seit dem letzten Jahrhundert gewidmet. Walter Moers hat sich auf seine Weise um diese Comics gekümmert. Danke, Walter.

Papier alleine aber ist grau und staubig. Und wo kann man Helden, Antihelden und Superhelden (und Super-Antihelden und Anti-Superhelden) besser Leben einhauchen als in der Traumfabrik Hollywoods?

Hat sich eigentlich schon einmal einer gefragt, warum die Rettung der Welt (der holden Jungfer, des Universums, der netten alten Dame, des dsungarischen Zwerghamsters etc.) immer erst in letzter Sekunde geschieht? Kurz bevor alles, aber wirklich alles zu spät ist?

Ja, weil’s spannend ist, werden einige denken. Ist auch richtig. Aber wie schaffen es die ganzen verschiedenen Helden und Superhelden immer genau den letztmöglichen Moment abzupassen? Ein Drehbuchschreiber für alle Filme?

Nein. Die Realität sieht ganz anders aus. Die Realität ist der Alltag von…

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Captain Umständlich und seinem jungen Helfer, Zotto Zögerlich*

Ein Raum voller Metall, in der Mitte ein Podest. Darauf eine furchtbar komplizierte Apparatur mit vielen bunten Drähten und so. Und einer riesigen digitalen Zeitanzeige, die natürlich rückwärts zählt. Weil der Erbauer kurzsichtig war und so alle anderen die verbleibenden Sekunden bis zur Explosion des gesamten bekannten Univerums gut mitverfolgen können.

Knapp neben dem Podest erscheint eine kreisrunde Schweißnaht im Boden. Der entstandene Deckel verschwindet langsam im Boden. Dumpfes Ächzen ist zu hören. Dann zwei Stimmen, die blechern durch den Raum hallen.

“Captain, wäre es nicht einfacher gewesen, das Bodenstück nach oben zu heben und hintereinander hinaufzuklettern statt nebeneinander?”
“Das wirst du erst später verstehen, mein lieber Zotto. Viel später.”

Weiteres Ächzen, als sich zwei in dunkle Capes gehüllte Gestalten aus dem Loch winden und sich nervös umsehen.

“Captain, ich hatte die fiesen Lichtschranken am Eingang dann doch noch ausgeschaltet.”
“Die, wegen der wir durch den Speisenlift und den Kabeltunnel hier herein gekrochen sind?”
“Ja, Captain.”
“Die, wegen der ich mir eine Laufmasche in meiner neue Captain Umständlich-Leggins zugezogen habe?”
“Ja, Captain.”
“Sehr gut, Zotto. Sehr gut. Ich habe doch gesagt, dass du das schaffst.”

Während eine der Gestalten noch am Boden in der Hocke bleibt, beginnt die andere damit, den Podest näher zu inspizieren.

“Das muss die Bombe sein, Zotto. Uns bleibt nur wenig Zeit, um die Welt zu retten. Also, du bleibst hier und bewachst die Bombe, und ich gehe und warne die Menschheit. Es müssen alle so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden. Am besten mit Space-Shuttles.”
“Bist du sicher, Captain?”
“Ja, Zotto. Wir dürfen keine Zeit verlieren!”

Die Gestalt, die man mittlerweile dank des großen “U” auf der Brust als Captain Umständlich erkennen kann, beginnt damit, sich zurück in das Loch am Boden zu zwängen.

“Captain?”
“Ja, Zotto?”
“Die Lichtschranken sind aus. Du kannst die Tür benutzen.”
“Das würden sie erwarten, Zotto. Außerdem bin ich schon halb drin.”

Der Blick des jungen Zotto zögerlich wandert über die komplexe, als die Bombe identifizierte Apparatur, während der Kopf des Captain im Loch verschwindet.

“Es sind noch etwa 45 Sekunden, Captain. Meinst du, ich sollte versuchen, die Bombe zu entschärfen, während du die Menschheit vor der Gefahr ihrer Auslöschung warnst?”
“Nein, Zotto, denn den Kabelschneider trage
ich bei mir. Ich bringe ihn Dir, sobald ich die Menschheit gewarnt habe und die Evakuierung eingeleitet ist.”
“Ich habe das Kabel erkannt, Captain. Ich könnte es durchschneiden und es nachher so aussehen lassen, als hätte es der Cruise gemacht.”

Die Stimme des Captains entfernt sich immer mehr, und sein junger Helfer Zotto beugt sich über das Loch im Boden.

“Es sind noch 20 Sekunden, Captain. Und ich habe unseren Ersatz-Kabelschneider dabei.”

Mit einem lauten Scheppern fliegt die Tür auf, und ein verschwitzter Captain Umständlich betritt den Raum.

“Nur mit meinen Kabelschneider, junger Zotto. So steht es im Vertrag.”

Der junge Zotto blickt vom Loch auf und nimmt das Werkzeug entgegen. Dann beugt er sich über die Apparatur.

“Soll ich wirklich, Captain?”
“Nur zu, junger Zotto. Ich habe die Menschheit gewarnt. Die Evakuierung ist eingeleitet.”

Der junge Zotto zögert kurz und lässt den Kabelschneider sinken.

“Wow, Captain, da warst du echt schnell! Wie hast du das denn geschafft?”
“Zotto, schneide bitte jetzt das Kabel durch.”
“Soll ich wirklich, Captain?”
“Ja, Zotto.”

Einige Sekunden atemloser Stille verstreichen.

Knips.

“Aber erst, wenn der Zähler auf “00:00:01″ steht, Zotto. So, wie es im Vertrag steht.”

Weitere Sekunden atemloser Stille verstreichen.

“Kannst du das Kabel irgendwie flicken, mein junger Helfer?”
“Reichst du mir bitte den Ersatz-Zähler, Captain?”
“Ah, ja. Natürlich, Zotto. Mach’ dir keine Gedanken, mir ist das am Anfang auch öfter passiert.”

Captain Umständlich klopft Zotto Zögerlich einige Male auf die Schulter bevor er sich dem Loch im Boden zuwendet.

“Ich gehe dann mal die Menschheit entwarnen, Zotto. Und sieh zu, dass du weg bist, wenn Tom hier eintrifft.”

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*Richtig gelesen. Die kennt kein Schwein? Eben, das ist wahres Heldentum. Sie springen überall ein, wo es knapp werden soll und überlassen die Lorbeeren den anderen.

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Ein besonderer Dank gilt hier dem Klapsenschaffner, der geistiger Mitpapi der beiden Akteure ist.

Always The Piano Man To Me

Always The Piano Man To Me

Billy Joel - Bild von piano-man.de Und da war er: Zwölf Jahre nach seinem letzten Konzert in Deutschland. Die Haare, die noch da waren, ergraut. Mit recht ordentlich Speck auf den Hüften. Wie das so kurz vor dem Rentenalter sein kann.

Aber der Mann hat Glanz auf dem Hammer wie eh und je.

Billy Joel hat den Klapsenschaffner und mich gerockt, zweieinhalb Stunden lang. Den Klapsenschaffner, mich und den Rest der ausverkauften, hochsommerlich erhitzten Frankfurter Festhalle. Und das mit einer Leichtigkeit, als wäre er nie weg gewesen. Die Songs waren eine sehr gelungene Mischung aus “Greatest Hits” und Albumtracks – jeder einzelne Song mit Leidenschaft arrangiert und dargebracht. Humor hat er auch bewiesen, der Herr Joel, und seinem Roadie Chainsaw das Mikro überlassen, selbst zur Gitarre gegriffen und mit “Highway To Hell” für eine echte Überraschung gesorgt.

Und Billy Joel hat sich wirklich Zeit gelassen. Aber wer so lange nicht auf Tour nach Deutschland kommt, der kann als Zugabe auch ruhig das über sieben Minuten lange “Scenes From An Italian Restaurant” zum Besten geben.

Kurzum: Wer nicht da war, hat etwas versäumt. Und ich hoffe, Billy Joel war nicht zum letzen Mal hier.