Mindesthohn

Mindesthohn

Gerade eben muss ich lesen, dass der niedrigste tariflich festgeschriebene Stundenlohn in Deutschland genau 3,06 Euro beträgt. Gezahlt wird das als Berufsanfängersalär im Friseurhandwerk in Neufünfland.

Für einen angenommenen achtstündigen Arbeitstag entspicht das knapp fünfundzwanzig Euro.

25 Euro. Brutto. Für Blasen an den Fingern* und Haare in den Schuhen.

Mit Verlaub, dafür würde ich noch nicht einmal abends meinen Wecker einschalten, selbst wenn ich die niedrigeren ostdeutschen Lebenshaltungskosten hätte. Wenn man in solch einem Fall nicht Barbier aus Leidenschaft ist, so scheint die Alternative, im hartzfinanzierten, verschmuddelten Sportdress werbefinanziertes Unterschichten-TV zu schauen und mehr Kinder in die Welt zu setzen als Bundesbevölkerungswachstumsministerin Ursula von der L. mehr als attraktiv.

Das motiviert mich ein wenig mehr, es doch mal in der Politik zu versuchen. Zunächst bleibt es aber beim Aufruf, mehr in Mecklenburg-Vorpommern zum Friseur zu gehen.

Kriegt man für 3,06 Euro heute eigentlich noch einen BigMäc?

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*25 Euro für Blasen ohne Finger wäre aus Kundensicht ein durchaus fairer Preis. Pfui.

Memory Holes

Memory Holes

Mann oh Mann. Nachdem ich mich gestern um mein Herz gesorgt habe, ist heute mein Hirn an der Reihe.

Da glaubt man fest, den Rakentlaborclubausweis im Raketenwissenschaftleranzug von gestern gelassen zu haben,* um dann zu entdecken, dass man ihn schlicht auf dem Labortisch hat liegen lassen.

Und das, nach dem man gestern den ganzen Tag an den Geburtstag eines Freundes dachte, es bis zum ins Bett gehen aber trotzdem versäumte, ihm irgendeinen Geburtstagsgruß zukommen zu lassen. Happy Birthday, Oli! Dann eben nachträglich.

Schließlich öffnet man sein verstaubtes Blogcounterkonto, um zu erkennen, dass man schon mal gelinkt wurde und es noch nicht einmal merkte. Danke an dieser Stelle an DonAlphons für die netten Worte über Alfonso, den dicken Koch.

Falls jemand andere Vorschläge zur Performanceverbesserung meiner desolaten grauen Masse hat als zehn Stunden Schlaf am Stück, bewusstseinserweiternden Drogen oder Doktor Hashimashiwashis Hirnjogging: Nur her damit!

[edit] Ich habe vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte. Sogar diesen Satz, dass ich vergessen habe, was ich schreiben wollte, habe ich vergessen. Grumpf. [/edit]

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* Dass mein doch sehr modernes Raketenlabor diese Clubausweise den mitforschenden Raketenwissenschaftlern noch nicht als RFID-Chip hat einpflanzen lassen, finde ich ziemlich blöde. Als könnte man sein Hirn nicht auch anders fit halten. Nun, offenbar ja nicht.

Betablogger statt Betablocker

Betablogger statt Betablocker

Oh, wie schön ist doch das Leben als Betablogger! Denn wie man jüngst im Netz lesen durfte, sind die Topblogger global unter Stress und auch noch schlechter ernährt als andere.

Ständig am Puls der Zeit sein und täglich qualitativ hochwertigen Output liefern zu müssen hat offenbar auch schon Bloggerleben gekostet. Ich selbst kann nur bestätigen, dass ein erhöhtes Interesse an meinem Geschreibsel und daraus resultierender (und durchaus selbstgemachter) Drang, so oft wie möglich etwas zu posten, schon zu der ein oder anderen Schreibblockade und -pause geführt hat, weil mir schlicht die Leidenschaft für dieses Hobby druckbedingt abhanden gekommen war.

Also, immer schön die Rakete flach halten, das schont das Herz!*

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* Ja, darum mache ich mir bereits Gedanken. Mein Verfallsdatum ist seit zwei Jahren überschritten, alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus!

Horst und das Abendbrot

Horst und das Abendbrot

Neulich, bei wunderschönstem Abendrot
schmiert sich Horst sein Abendbrot.
Er belegt es mit der Lieblingswurst
und macht sich Tee gegen den Durst.

Schließlich dann geht er wie immer
mit dem Mahl ins Fernsehzimmer,
dort wartet auf ihn – ja, genau,
das Canapée und der TV.

Auf dem Weg sieht er im Garten
ein Reh auf irgendetwas warten.
Just schlinget sich die Hundeleine
vom Halse baumelnd um Horsts Beine.

Mit der Leine, der vom Hunde,
dreht Horst gerne eine Runde,
doch ist es leichthin einzusehen:
Verheddert stört das arg beim Gehen.

Von der Leine so beengt,
die in den High Heels sich zudem verfängt
kommt Horst ganz schön schnell ins Trudeln,
und verflucht die Rehe gleich in Rudeln.

Doch geht es Horst wie jüngst beim Tanz:
Er fällt mit wenig Eleganz
über das heißgeliebte Canapée,
und verschüttet auch den heißen Tee.

Vom flücht’gen Tee den Arm verbrannt,
Gabel im Fuß, Messer in der Hand,
taumelt Horst durchs Fernsehzimmer:
“Scheiße auch, alles wie immer!”

Schließlich bleibt er stehen und wischt
die Wurst sich aus flugs dem Gesicht,
schnappt sich noch den alten Spaten
und jagt das Reh durch seinen Garten.

Doch dank Horsts schlechter Kondition
endet bald die Rehhatz schon.
Nach kurzem Blick auf Horst und Spaten
verlässt kopfschüttelnd das Reh den Garten.

Horsts Wunden hören auf zu bluten,
eine Wende scheint dies – hin zum Guten.
So geht denn Horst ins Haus zurück,
und ordert Pizza: “…fuffzehn Stück!”

Horst und der nächste Morgen

Horst und der nächste Morgen

Gestern hat’s Horst krachen lassen,
und kann es heute selbst kaum fassen,
dass er in einem Stück nach Haus’ gekommen;
noch immer ist Horsts Welt verschwommen.

Horstens Wecker zeigt halb vier,
aus Horstens Mund hängt Klopapier.
Wieso, denkt Horst zum Spiegel schauend
und auf dem Klopapiere kauend.

Sein Kajal ist arg verschmiert,
auch die Frisur ist ruiniert.
Den Kopf darunter kurz vorm Platzen,
muss Horst sich mal am Hintern kratzen.

Horst stellt fest, dass dort was klemmt,
doch ist es nicht sein Unterhemd.
Denn eines, das ist wirklich wahr:
Viel lieber trägt der Horst BH.

Horsts Blick fällt auf ‘nen leeren Fleck:
Seine Zahnbürste ist weg!
Horst sieht in all dem keinen Sinn
und setzt sich darauf erst mal hin.

Nun wird Horsti sehr schnell klar,
wo seine Zahnbürste doch war!
Es fällt ihm glatt ein Stein vom Herzen,
trotz der rückwärtigen Schmerzen.

Als er die Zahnbürste gefunden,
steht für Horst fest, ganz unverwunden,
sich nie mehr derart zu berauschen
und vorn und hinten zu vertauschen!