Beiträge zu “Gaming”

Ich gebe es offen zu: Ich bin ein Gamer.

Ich bin Gamer seit den ersten Kontakten mit einer Atari-Fernsehkonsole Anfang der Achtziger, vielleicht auch schon seit den ersten Malen “Mensch ärgere dich nicht” und Micky Maus-Memory. Auch wenn man Gamer damals noch nicht so nannte.

Diese Leidenschaft führte mich zum Erstkontakt mit dem derzeit erfolgreichsten MMOG (Massive Multiplayer Online Game) World of Warcraft (kurz: WoW) im August 2005. Eine gigantische virtuelle Welt, liebevoll im mehr oder weniger bunten Comic-Stil gestaltet* und bevölkert von Tausenden anderer Spieler. Vieles gab es zu entdecken, neue Leute kennenzulernen** und eine Unzahl (immer wiederkehrender) Gegner zu bezwingen. Mit WoW kann man Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre verbringen.

Richtig erkannt: WoW hat Suchtpotenzial. Man muss es genießen wie einen guten Wein mit Freunden, um seine Gefährlichkeit im Zaum zu halten. Ähnlich jedoch wie bei einem guten Wein mit Freunden muss man für eine eingermaßen sinnvolle Session WoW mindestens zwei Stunden einplanen. Zwei Stunden am Stück, denn so etwas wie eine Pausefunktion gibt es nicht, weil alles live und online passiert.

Sicher kann man seiner Spielfigur einen ruhigen Ort suchen oder sich ausloggen. Wenn man aber mit vier oder mehr anderen Spielern in der gleichen Gegend (auch: Instanz) unterwegs ist, und die ohne den dann fehlenden Spieler nicht oder nur sehr viel schwerer weiterkommen könnten. Auf Toilette gehen? Geht noch. Nahrungsaufnahme? Muss sowieso abnehmen. Schlaf? Überbewertet. Leben? Äh. Wie war die Frage?

An Urlaubstagen habe ich auch schon zehn, vielleicht sogar mehr Zeit an einem Tag in WoW verbracht. Als gelegentliche Ausnahme geht das auch voll in Ordnung. Aber als Mensch mit vielfältigen Interessen, einem Vollzeitjob, Freunden und Familie, die auch offline Kontakt aufnehmen und pflegen möchten und einer Freundin, die eben keine Gamerin und schon gar keine WoW-Spielerin ist, als solch ein Mensch sollte ich nicht darüber nachdenken, mich weiterhin langfristig in WoW engagieren zu wollen.

WoW ist ein zeitfressendes Monster, das, wenn es den verlangten Zeittribut nicht bekommt, weniger Spaß als Frust verursacht. Und das Stückchen Freizeit, was mir in der Regel bleibt, will ich mit Spaß füllen. Wahrscheinlich auch mit Spielspaß, aber auf jeden Fall mit Spaß.

Aus diesem Grunde habe ich heute mein WoW-Account gekündigt.

Seit etwa anderthalb Jahren wartet eine Gitarre geduldig darauf, von mir gequält zu werden. Ich muss zwar noch lernen, nur das Instrument selbst und nicht auch alle Umstehenden zu quälen, aber ich bin zuversichtlich. Mal schauen, was mich dieses Mal davon abhalten wird.

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* …und dabei an die zugrundeliegende (und zu Recht erfolgreiche) RTS-Serie “Warcraft” angelehnt.

** Der monatliche Preis von 11 bis 13 Euro sollte angeblich auch Idioten fernhalten. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen: Mit mäßigem Erfolg. Aber im Vergleich zu diversen kostenlosen MMO(RP)Gs ist die Deppenquote angeblich geringer.

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Es seien mehrere Dinge gesagt, bevor das hier losgeht. Zum einen finde ich Wolfgang Hohlbein wirklich gut, kann aber dank Terry Pratchett und Robert Rankin beim Verfassen eigener Geschichten nicht ernsthaft bleiben. ‘Wolle Hohlbrot’ klingt selten dämlich, und wahrscheinlich werde ich mein Pseudonym für diese Geschichten ändern (wenn denn noch welche folgen). Vielleicht auch nicht. ‘Wolle Hohlbrot’ ist aber auf keinen Fall ein Angriff auf Person oder Werk Wolfgang Hohlbeins.

Noch etwas: Bringt Zeit mit, es ist kein “Casual Reader”-Kurzpost. Es ist eine kleine Geschichte, die ich an dieser Stelle meinen DSA-Mitspielern widmen möchte.

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Es war ein dunkler Winterabend, als mich meine kältetauben Füße mit letzter Kraft in die Schänke des Dorfes trugen. Ich war auf Reisen, und Dörfer, die man abends erreicht, sehen alle gleich aus: Ein paar trübe Lichter scheinen durch schmutzverkrustete Fenster, ein dicker bärtiger Mann klaut den Pferden vor der Schänke die Rüben, und der Stadtbüttel übt sich auf seine angerostete Hellebarde gestützt in Nichtwahrnehmung seiner Umwelt*.

Ich schwor mir zitternd, nie wieder im Winter lange Fußmärsche auf mich zu nehmen und betrat die Schänke. Der Teil der Dorfbewohner, die es noch nicht nach Hause geschafft hatten, hing an der Theke und verteilte sich an zwei der drei dunklen, mittelschwer mit einer Mischung aus saurem Bier und Kartoffelsuppe verschmierten Holztische. Die Luft war zwar warm, von der Zusammensetzung jedoch ähnlich, mit einer leichten Prise Schweiß und einer gehörigen Portion Tabakrauch dazu.

Am dritten Tisch saß ein einzelner älterer Mann, mit einem bunten, runenverzierten Umhang und einem spitzen Hut. An der Wand hinter ihm lehnte ein mannshoher, verbogen wirkender Stab. Kein anderer Platz war frei, und da dieser Kerl hier genau so deplaziert wirkte wie ich, setzte ich mich ihm gegenüber. Ein zerrissen wirkender grauer Bart umrandete sein faltiges Gesicht, und sein leicht wirrer Blick musterte mich.

“Jungchen, was machst du denn hier? Egal. Schön, dass du mir Gesellschaft leistest. Ein seltenes Gut dieser Tage.” Der Alte hob sein Weinglas in Richtung des desinteressiert dreinblickenden Wirtes. “Hey, Schwachkopf! Noch eines für mich… Und eines für meinen jungen Freund hier.”

“Danke, das ist sehr freundlich”, sagte ich und versuchte Ordnung in die wirren Muster auf dem spitzen Hut des alten Mannes zu bringen. Als Kopfschmerzen drohten, hörte ich auf.

“Nun, eigentlich war das nicht sehr freundlich”, entgegnete der Alte. “Aber der Wirt ist einer von denen, denen in ihrem Leben noch viel Schlimmeres an der Kopf geworfen wurde. Bierkrüge zum Beispiel.” Ich nickte zustimmend, und freute mich über das zaghaft in meine Füße zurückkehrende Gefühl. Der Wein wurde gebracht, und die ersten Schlucke beschleunigten den Tauprozess weiter.

“So, Junge, jetzt aber raus mit der Sprache. Was in Dreiteufelsnamen machst du hier?” Der Alte nahm seinen Blick nicht von mir, als er eine Pfeife aus seinem Mantel zauberte, die einen ähnlich schiefen Eindruck mache wie der Stab hinter ihm.

“Ich bin… Schriftsteller. Ich reise, um Inspirationen zu sammeln”, antwortete ich wahrheitsgemäß. “Und was treibt Sie in diese Gegend, wenn ich fragen darf?” Der Alte lächelte, um dann mit leichtem Hüsteln die Pfeife anzuzünden.

“Ah, du bist also einer von diesen ‘Feder und Schwert’-Typen, hm? Ich bin ebenfalls auf Reisen. Sie nennen mich einen Maaahgier. Und bevor du fragst: Ja, ich kann zaubern.” Er versuchte einen einschüchternden Blick, was lediglich durch den nach vorne rutschenden Spitzhut verhindert wurde.

Magier. Ich hatte von ihnen gehört. Bisher hatte ich sie für Legenden gehalten, wie Drachen, Hexen oder Käsekuchen ohne Rosinen. Nun saß einer von ihnen vor mir. Angeblich.

“Heißt es nicht ‘Magier’, alter Mann?” fragte ich und bereute im nächsten Moment meine Worte. Hatte er die Wahrheit gesagt, so hatte mich meine große Klappe in echte Gefahr gebracht. Die Miene des Alten verfinsterte sich kurz.

“Jungchen, wenn ich ‘Maaahgier’ sage, dann meine ich das auch so. Kein Grund zum Klugscheißen. Und noch lange keiner, sich über meinen Sprachfehler lustig zu machen.” Der Alte nahm einen kräftigen Schluck Wein.

“Es… Es tut mir leid!” entgegnete ich. Verschiedene Teile meines Selbst stimmten gerade hektisch über einen Panikanfall ab.

“Zumal es ein Sprachfehler ist, der sich nur auf dieses eine verdammte Wort beschränkt. Eigentlich ein Segen, aber nicht, wenn man Maaahgier ist, so wie ich. Also keine Scherze, sonst brenne ich dir ein Loch in dein feines Hemd.” Der Alte deutete mit dem Zeigefinger auf mich, seufzte kurz und zog dann an seiner Pfeife. Mein Panikanfall wurde verschoben und wich leicht misstrauischer Entspannung.

“Mit einen Flammenstrahl aus Ihrem Finger?” fragte ich wieder etwas mutiger.

“Nein, Jungchen, mit der verdammten Kerze auf dem Tisch.” Der Alte täuschte mit der Hand eine Bewegung zur Kerze vor, die mich zusammenzucken ließ. Als er das sah, brach er in heiserer Gelächter aus. Ich zog eine Augenbraue hoch, lehnte mich zurück und trank den Rest meines Weines.

“Aber weißt du, ich kann mit meiner Pfeife ein Segelschiff herbeizaubern. Schau her…” Der Magier nahm einen Zug und nestelte an seiner Pfeife herum. Ich wartete gebannt auf die Darbietung, als mit einem mechanischen Klicken eine kleine angekokelte Stoffflagge aus dem Pfeifenkopf emporschoss, auf der ein Segelschiff aufgemalt war. Glühender Tabak verteilte sich auf dem Tisch, und der Magier klopfte sich fluchend Bart und Umhang ab.

“Das vergesse ich doch immer wieder. So ein Mist. Du siehst, auch Maaahgier werden älter, Junge!”

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Magier hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

“Noch einen Wein für meinen Freund und mich, Schwachkopf!” rief der Alte in Richtung Theke. Der Wirt nickte und brachte kurze Zeit später zwei weitere Gläser an unseren Tisch.

“Der beste, den ich Euch bieten kann, Herr”, murmelte er und verschwand wieder in den Rauchschwaden. Ich war mir sicher, dass er hier gelegentlich lüften würde, wenn man die Fenster noch finden könnte.

“Ein Maaahgier weiß, wann er seine Kräfte besser schont, Jungchen. Ich weiß, was du von mir denkst. Vielleicht hast du sogar Recht.” Der Alte leerte sein Glas in einem Zug. “Wie heißt du eigentlich?”

“Ich nenne mich Scripio, werter Herr Magier. Wie nennt man euch?” entgegnete ich. Der Alte schien kurz zu überlegen, bevor er mir antwortete.

“‘Was zum…?’ und ‘Oh nein!’ höre ich ziemlich oft. Du aber kannst dir diesen Namen merken: Alfons von Stahl.” Der Blick des Magiers strahlte einen gewissen Triumph aus, den ich erst kurz später verstehen sollte.

“Das ist ja unglaublich, Jungchen! Sieh dir das an!” sagte er und zeigte hinter mich. Ich drehte mich um. Als ich nichts sah außer der in ihre angetrunkenen Gespräche vertieften Dorfbewohner, dämmerte es mir. Ich drehte mich wieder zurück, und der Alte war verschwunden.

“So, Zeit zum Kassieren”, hörte ich den Wirt neben mir sagen. “Macht zwei Dukaten und äh… zwölfzig.”

Großartig. Ich hatte mich von einem alten Mann an der Nase herumführen lassen und war mit einem Schlag meine Reisekasse losgeworden. Von draußen hörte ich ein heiseres Kichern, gefolgt von einem “Ach, verdammt!” Mein Blick fiel auf den Stab, der noch immer an der Wand lehnte. Der Wirt strich hastig meine Münzen zusammen, während ich aufstand und den Stab an mich nahm.

Dies würde nicht meine letzte Begegnung mit Alfons von Stahl gewesen sein.

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*Was angesichts der Umwelt ein mehr als verständliches Verhalten ist.

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Ja, es ist wahr: Manchmal genieße ich es, die Wochendendiscozwangsherumspringerzeit hinter mir gelassen zu haben. Die “3” vor dem Komma gibt einfach eine prima Entschuldigung dafür her, und viele meiner Freunde und Bekannten scheinen eine ähnliche Erleichterung* zu spüren.

So kam es unter der Fahne von “Knut in der Minibar: Alles muss raus” vor kurzem zu einem sehr netten Spieleabend bei Leif und Anja in Braun Hochweisel**. Die Bar wurde zwar nicht leer, aber für Highlights beim Gesellschaftsspiel “Tabu” reichte es trotzdem. So wurde aus der “Coach” als Couch und der “Tornado” als Torpedo erklärt. Doch nicht genug, der Abend sah auch die Geburtsstunde der “Chlormelone”.

Zudem musste Captain Stützbier eine Umgestaltung seiner Haarfrisur durch seine Freundin Nina über sich ergehen lassen, und das auch noch nachdem die Hobby-Stylistin vorher ausgiebig mit Bonzo geknuddelt hatte. Bonzo heißt eigentlich Luna und ist Anjas Hündin. Luna ist ein sehr ruhiger, recht großer Hund mit leichtem Sabberproblem. Wahrscheinlich hat die neue Frisur deswegen so gut gehalten.


Captain Stützbier neu frisiert beim lasziven Räkeln auf Kissen und Boden

Alles in allem kann ich euch nur empfehlen: Schnappt euch ein schönes Spiel und ein paar Menschen, die ihr magt, und habt eine Runde Spaß. Tut nämlich gut.

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*Zugegeben, bei einigen wird diese Erleichterung vom Nachwuchs auch gleich wieder aufgefressen.

**Hochweisel weist angeblich eine erhöhte Konzentration politisch rechtsgesinnter Mitbürger auf. Leif und Anja sind aber so unpolitisch, dass ich ausschließen kann, dass sie deswegen und nicht wegen der schönen, günstigen Wohnung dort hingezogen sind. Zudem dementiert der Ortsverband des BDM vehement, dass es in dem kleinen Dorf rechstradikale Tendenzen gäbe.

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Urlaub an und sich ist etwas Tolles. Da ich gerade ein paar freie Tage genießen durfte, erinnerte ich mich eines hier abgegebenen Versprechens bezüglich meines Urlaubsberichts. Es ist lange her, für mich subjektiv noch viel länger als für alle anderen, aber das ist egal.

Es mag anhand der ersten beiden Teile der Eindruck entstanden sein, dass der Aufenthalt auf Mallorca nicht so entspannend war, wie Urlaub es sein soll. Dieser Eindruck ist glücklicherweise im Großen und Ganzen falsch.

Zwar ließ das Essen im Hotel* gelegentlich zu Wünschen übrig, vor allem dann, wenn als Lasagne getarntes Hundefutter serviert wurde, aber es gab einige Restaurants, die wirklich gutes Essen servierten. Eines der besten fanden wir am Jachthafen von Cala D’Or. Leckerster Fisch mit klasse Vor- und Nachspeise, dazu einen Hauswein, der sich seiner selbst nicht schämen brauchte.

Über das (deutsche) Pärchen, das beim anschließenden Minigolf statt der üblichen sieben Schläge pro Spieler stets zehn bis zwanzig machte, trösteten wir uns mit Trockeneis verzierten und massig fruchtbestückten Cocktails von der Bar gegenüber. Nachdem man das Obst vernichtet hatte, sahen diese dank der vielen abstehenden Zahnstocher stets aus wie ein stiller Protest gegen die Abholzung des Regenwaldes. Politischer Protest durch Cocktailtrinken: Wie cool ist das denn?**

Apropos Jachthafen: Es muss trotz aller Armut und Steuern und Arbeitslosigkeit immer noch eine Menge Leute geben, die kaum Wissen, wie man Armut schreibt, geschweige denn wohin mit ihrem Geld.


Armut ist etwas, das anderen passiert…

Zwischen den bestimmt dreihundert Motorjachten, die in dem damit ausgefüllten kleinen Hafen lagen und von denen sicher keine billiger als eine halbe Million Euronen gewesen war, entdeckten meine Freundin und ich einen Platz für unsere Jacht. Wir fanden auch sehr schnell ein Boot, dass uns gefiel.


Schnittig. Sehr schnittig. Die Schlüssel steckten, aber der englische Besitzer wollte es uns partout nicht ausleihen. Pah!

Letztendlich entschieden wir uns aber für ein etwas kompakteres Modell, leicht günstiger in der Anschaffung, aber eigenes Aquarium inklusive. Das stach wenigstens aus dem superteuren Einheitsbrei heraus und war viel einfacher unterzubringen!


Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…

Trotz der unzähligen Luxusboote (oder gerade deswegen) scharten sich in Cala D’Or schwarze Migranten. Ihren bootsgeflüchteten Brüdern von den Kanaren waren sie allerdings schon einige Schritte voraus: Die Frauen knüpften den Touri-Mädchen Rastas, und die Männer verkauften Sonnenbrillen, CDs und Armbanduhren, und zwar zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Dagegen sind die hiesigen “Bluma, gut Bluma”-Verkäufer echt unauffällig.

Noch einmal zurück zum Hotel***: Dass man auf Mallorca Pinsel statt Klobürsten hat, mag noch als einheimische Tradition gelten, aber dass die Wände im Hotel so dünn sind, dass man die Gäste des Nachbarzimmers nachts Atmen hört, erscheint mir eine seltsame Eigenart. Noch weitaus seltsamer erschien uns jedoch der Brauch der Einheimischen von gegenüber, morgens das nicht schallgedämpfte Moped zwischen 07:00 und 07:30 eine gefühlte halbe Stunde mit ca. 200 dB Geräuschkulisse warmlaufen zu lassen. Das machte offenbar auch den Kollegen des Einheimischen gegenüber wach, denn kurze Zeit später holte ihn der mit dem Auto zur Arbeit ab. Um sicherzustellen, dass man ihn auch hörte, drückte er einfach so oft auf die Hupe, bis der faule Sack seinen Hintern aus dem Haus bewegt hatte. Wenigstens arbeiteten die Einheimischen an den zwei Sonntagen, die wir da waren, nicht so früh.


Der Pool hinter dem Hotel. Die Ruhe ist trügerisch…

Der aus den genannten Umständen resultierende Schlafmangel musste irgendwo nachgeholt werden. Dafür bot sich der Pool hinter dem Hotel an. Doch trotz der Abwesenheit anderer deutscher Urlauber wurden die Liegen regelmäßig per Handtuch besetzt. Da soll noch einer sagen, unsere Freunde von der Insel seien nicht lernfähig.

Eine junge Person von eben jener Insel sorgte hingegen durch ihre Offenheit und Wissbegier für einen gewissen Enstpannungsgrad. Lucy hieß die Kleine, und fragte nach allem, was sie nicht kannte mit einem leicht gelispeltem “What’f dad?” Mobiltelefone, die auch noch Musik machen konnten, waren ebenso auf der Hitliste wie unsere bunten “Phase 10”-Würfel.**** Der einfache dazugehörige Bleistift und der Spielblock animierten Lucy zu vielfachen “Daddy”-, “Mommy”- und “Lucy”-Zeichnungen, von denen sie auch die von Papa herbeigeholten eigenen Malutensilien nicht abhalten konnten.


Faszination Schmuck älterer Damen: Sonnenschein Lucy.

Im Speisesaal konnte Lucy jedoch offen und lautstark zeigen, wenn sie etwas nicht wollte oder gerade keinen Hunger hatte. Wenigstens die Nerven der Eltern waren daran gewöhnt. Unsere auch irgendwann.

Da wir nicht jeden Tag mit Handtuchkrieg am Pool und Odysseen zu versteckten Stränden mit singenden Obstverkäufern und “Papa, und dann gehen wir ins Wasser pullern!” exklamierenden Kindern verbringen wollten, machten wir zwei Ausflüge des Reiseveranstalters mit. Der erste ging zum auf 750m Höhe gelegenen Kloster Sant Salvador und dem Wochenmarkt in Felanitx, wo es viel Material für meine hungrige Kamera gab.


Das Kloster San Salvador in luftiger Höhe…


…mit gigantischem Ausblick über die gesamte Insel.

Der Wochenmarkt in Felanitx war sicher nichts für Tierschützer. Hier werden auch Meerschweinchen verkauft. Wer als erster den Fehler im Bild unten findet, darf sich etwas wünschen.


“Was meinst Du mit ‘Miau’?!”

Felanitx hat jedoch mit seiner Kirche Sant Miquel und seinen verwinkelten Sträßchen auch moralisch unbedenkliche Sehenswürdigkeiten zu bieten.


Sant Miquel in der Mittagssonne…


…und malerische Gässchen

Der zweite Ausflug in die Drachenhöhlen (Cuevas del Drach) begann zunächst mit einem kaffeefahrtähnlichen Halt in einer Kunstperlenfabrik. Wir protestierten auf unsere Weise und kauften lediglich eine kleine Flasche stilles Wasser, das wir zudem über eine Beschwerde über den ausschließlich geldfressenden Getränkeautomaten erkämpfen mussten.

Die Drachenhöhlen selbst, auch wenn man mit ein wenig Nachdruck hindurchgeschleust wurde, waren den Ausflug wert. Eine Tropfsteinhöhle, kunstvoll ausgeleuchtet, mit abschließendem klassischen Konzert – und Fotoverbot.


Die illuminierten Cuevas del Drach

Auf der Rückfahrt wies uns unser Reiseleiter darauf hin, dass Miguel, unser Busfahrer, heute sehr gut gefahren sei. Meiner Freundin und mir stellte sich spontan die Frage, ob er die schwungvoll durchfahrenen Serpentinen sonst einfach ignoriert und querfeldein über Abhänge und Anhöhen brettert. Ich fragte lieber nicht, zudem hätte Miguel uns mangels Deutschkenntnis nicht verstanden.

Abschließend sei der letzte kulinarische Höhepunkt des Urlaubs genannt, der sich beim Besuch bei Pizza Hut am Flughafen kurz vor unserem Heimflug ergab. Ich weiß nun, warum ich diesen Laden höchstens einmal im Jahr betrete. Das Gefühl davor ist Appetit und Hunger, das Gefühl danach wird am besten von dem beschrieben, was übrig bleibt.


Fettig? Ach was… Hauptsache Coke light!

So endete der Urlaub eines Raketenwissenschaftlers… Und so endet auch dieses Jahr. Euch allen einen guten Übergang nach 2007!

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*Die Ausweichmöglichkeiten waren mangels Kühlschrank leider begrenzt. Scheibenkäse hält sich bei 30°C übrigens nicht länger als ein Tag, bevor er sich selbst zum Blauschimmelträger adelt. Ebenfalls wissenswert: Die Supermarktkette Caprabo lässt in ihren Märkten deutsch vertonte Werbung laufen. Ich war ein wenig überrascht.

**Der ebenfalls in der Cocktailbar anwesende “Kegelclub Einsame Landfrauen e.V.” machte allerdings jegliches politisch-elitäre Gefühl umgehend und mit alkoholgeschwängertem Gackern wieder zunichte.

***Hotel Ses Puntetes in Cala D’Or, falls es jemand unbedingt ausprobieren oder meiden möchte.

****Auch am Strand zogen wir uns mit diesen Würfel mehrfach den Neid von Kindern zu.

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Eigentlich habe ich dafür keine Zeit, aber die derzeit aufbrandende Diskussion um sog. “Killerspiele” wegen des tragischen Amoklaufes in Emsdetten regt mich so sehr auf, dass ich mich dazu kurz äußern muss.

Millionen Menschen rund um den Globus sind Gamer. Viele davon spielen auch Ego-Shooter. Angenommen, die populistisch propagierte Annahme, dass Computerspiele (insbesondere die sogenannten “Killerspiele”) den Spieler zum Töten animiere, sei richtig: Müssten dann nicht schon längst ein Großteil der Menschheit ausgerottet sein, und der Großteil davon in den USA, wo Waffen freizügigst verfügbar sind? Seltsamerweise ist das nicht der Fall.

Zudem gibt es keinen fundierten wissenschaftlichen Nachweis, dass Computerspiele einen negativen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von Menschen haben.* Bei Wikipedia gibt es zu diesem Thema einen differenzierten Artikel, den ich allen ans Herz legen möchte. Ich für meinen Teil bin seit vielen Jahren Gamer, weil es Entspannung, Ablenkung, Ventil, Flucht aus dem Alltag und einfach Spaß ist.

Meine heimlichen Amokläufe sind bisher glücklicherweise unentdeckt geblieben, Tom Clancy sei Dank.


“Damn, I’m looking good.” (Duke Nukem, 1996)

Soziale Missstände lassen sich nicht mit dem Verbot von Computerspielen heilen.** Wer damit auf politischen Stimmenfang gehen will, soll das tun. Ein Zeichen von Kompetenz und wahrem Willen zu gesellschaftlicher Veränderung ist es nicht.

Zigaretten und Alkohol bekommen die Kids ab 16 im freien Handel. Beide töten bewiesenermaßen. Beides aber ist gesellschaftlich akzeptiert und bringt Steuern in die Staatskasse. Ein Verbot des Alkoholverkaufs kommt paradoxerweise keinem ernsthaft in den Sinn, wenn betrunkene Fahrer andere durch ihr leichtsinniges Verhalten in den Tod reißen.

Das muss ich alles nicht verstehen. Wahrscheinlich beschäftige ich mich zuviel mit Computerspielen.

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*Das zweifellos vorhandene Suchtpotenzial möchte ich an dieser Stelle außer Acht lassen. Die Frage, wie der Amokläufer von Emsdetten an seine Tatwaffen kam, möchte ich auch nicht hier und jetzt diskutieren.

**Die gewaltintensiveren Titel bekommen ohnehin sehr schnell den roten FSK-Stempel aufgedrückt oder werden indiziert. Die Verbreitung illegaler Kopien kann das selbstverständlich kaum verhindern.

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Zählt und kostet nix.