Archiv für die “Scheibster spielt”-Schublade

Meine Stammleser und diejenigen, die mich persönlich kennen, wissen es: Ich bin Gamer. Gaming kann bei weniger stabilen Persönlichkeiten durchaus zur Sucht werden, und auch diejenigen Gamer, die nicht eine derartige Abhängigkeit von Spielen im Allgemeinen und PC- bzw. Konsolenspielen im Besonderen entwickelt haben, werden den ein oder anderen Titel nennen können, von dem sie noch ihren Enkeln erzählen werden.

Bei mir ist dies vor vielen anderen die “Diablo“-Reihe. Beide Teile samt Erweiterungen waren große kommerzielle Erfolge. Als “Hack & Slay”-RPGs wurde ihnen von Hardcore-Rollenspielern der RPG-Charakter abgesprochen, was die Verkaufszahlen aber nicht beeinflusste und meinen Spielspaß (und den Millionen anderer) nicht minderte.


Wer möchte sich den Seelenstein dieses bösen Onkels selbst in die Stirn hauen? Na? (Quelle: Wikipedia) 

Diablo I & II waren eine gekonnte Mischung aus guter Storyline, schöner Grafik und der Stimulation des Jäger- und Sammlertriebes über eine Unzahl von Ausrüstungsgegenständen, die in den Mägen von Monstern und alten Schatzkisten darauf warteten, vom Spieler gefunden und genutzt zu werden. Sowohl der Singleplayermodus als auch Multiplayer über Battle.net machten eine riesige Menge Spaß, der auch vom vielklickbedingten Mausverschleiß nicht getrübt werden konnte. Diablo I war das erste Spiel, dass ich 1999 mit sagenhaften analogen 56 kb/s online zockte und damit vor rund neun Jahren die Telefonrechnung noch in teils astronomische Höhen treiben konnte.*

Der zweite Teil übertraf den ersten noch in den meisten Aspekten, und mit seinem Erscheinen war auch die rund dreijährige Verzögerung von der Ankündigung bis zur Veröffentlichung verziehen. Online lief das Ganze noch professioneller ab als bei Diablo I, und dort machte ich zum ersten Mal die Entdeckung, dass es Menschen gibt, die Pixelgegenstände für harte Währung kaufen bzw. verkaufen. Dieser Markt existiert heute noch viel umfangreicher als zu jener Zeit, und je nach Spiel bzw. Herausgeber wird dieser Handel mehr oder weniger stringent unterbunden.


Helden in Blechhosen (Quelle: Wikipedia) 

Mit Sicherheit einige hundert Stunden meines Lebens habe ich mit Diablo, Mephisto, Baal & Co. verschwendet verbracht, auch zusammen mit Freunden, bis irgendwann meine Diablo II-Multiplayercharaktere gelöscht wurden, weil ich sie neunzig Tage lang nicht benutzt hatte. Mein Interesse war zu diesem Zeitpunkt ebenso verglüht, und dieser Zwischenfall besiegelte mein Ende als Diablo-Spieler.

Doch war dies wirklich das Ende? Eine Fortsetzung der Diablo-Serie galt lange Zeit als unwahrscheinlich, zumal die geistigen Väter um Entwickler Bill Roper und noch einige andere die Firma Blizzard verlassen hatten. Scherze über einen dritten Teil sind sogar auf YouTube zu finden.

Doch gestern habe ich den Teufel gesehen. Diablo III ist offiziell angekündigt worden. Und ich spüre eine Präsenz, die ich schon lange nicht mehr…**


There is no cow level.

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* Jahaa, ihr Flatrate-Gören von heute, früher war online sein noch etwas Besonderes! Nicht dass es besser war, ganz im Gegenteil, es war langsamer, instabiler und teurer, aber es war besonders, einfach weil es neu war.

** Wenn Blizzard bei seinen Traditionen bleibt, so wird Diablo III ohnehin nicht vor 2011 veröffentlicht. Egal, solange wird noch einmal das gute alte LoD in 800*600 gezockt. Hehe.

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[Achtung: Geek-Content! Der nachfolgende Inhalt ist im besten Falle für die Leser interessant, die sich schon mal mit dem Rollenspiel “Das Schwarze Auge” beschäftigt und idealerweise die Gezeichneten-Kampagne um die Rückkehr Borbarads gespielt haben. Alle anderen dürfen beruhigt den nächsten Link ihrer Blogroll abarbeiten. Ehrlich.]

Für meine DSA-Gruppe: Ein “Ihr seid noch tausend zu wenig!”-Dank für viele Tage und Abende voll von Spaß und Spannung! Und dafür, dass unser Spielleiter es uns nicht ernsthaft übel genommen hat, dass wir den größten, bösesten und furchterregendsten Magier aller Zeiten irgendwann “Bob” tauften.

Ihr seid die Geilsten!

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[Melodie: Frank Zappa, Bobby Brown]

Hey there, people, I’m Borbarad,
They say I’m a villain, I am bad,
My demon’s fast, its teeth are shiney,
I tell Empress Emer she can kiss my heinie.

Here a I am at a famous hill,
I am king of the world and I’m ready to kill,
I’ve got a few heroes here to help with my magic,
But they seem really angry and I think it gets tragic.

Oh God, I am the Alveran dream,
Still Rohal thinks I’m too extreme.
He’s just a miserable son of a bitch,
I’ll be ruler of the world and be real rich!

(Rule the world, rule the world, rule the world…)

Heroes’ liberation
Came sweeping all across the nation,
I tell you people, it was not pretty,
When I met this dwarf by the name of Bretty.

He made a little speech then,
And his friends put on a big grin.
They kicked my butt and then they smashed my crown,
I cried out loud as I was going down.

Oh God, I am the Alveran dream,
And I do give a shit ’bout this hero team,
And I’m a miserable son of a bitch,
Am I half-god or human, I don’t know which…

(I wonder, wonder, wonder, wonder…)

So I went out and bought me a mage’s suit,
I jingle my staff, but I’m still in bad mood.
I clearly lost the battle at Troll’s Gate,
And if I’m not lucky, this will seal my fate.

Eventually me and Xeraan
Sort of drifted along and we meant no harm.
I could take about an hour with the crown of power,
But then it exploded in a glowing shower.

Oh God, I am the Alveran dream,
With that sword up my butt ’til it makes me scream
And I’ll do anything to get away,
I lay awake nights thinking of this day.

Oh God, oh God I’m so fantastic,
Thanks to Bretty, my rage is not so drastic,
And my name is Borbarad,
Fear me now, I’m really bad.
And my name is Borbarad,
Fear me now, I’m really bad.
And my name is Borbarad,
Fear me now, I’m really dead…

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*Das schließt auch Spielleiter mit ein.

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Männerabend.

[Spoiler-Warnung: Liebe Leserinnen, der nachfolgende Inhalt kann Ihr Männerbild nachhaltig beeinflussen und bisher als Klischées betrachtete Umstände bestätigen. Lesen Sie nur weiter, wenn Sie sicher sind, dieses Risiko eingehen zu wollen.]

Gestern war es einmal wieder so weit. Und zwar zünftig mit Tichu, lecker Mineralwasser für die Fahrer und einem reichhaltigen Sortiment südhessischer (und nur fast abgelaufener*) Biersorten für alle anderen.

Und in all der Unbeschwertheit, die Männerabende eben auszeichnet, plötzlich die philosophische Frage:

Warum eigentlich Männerabende?

Ist es nicht verblüffend, sich plötzlich in einem Alter und Lebensumstand zu befinden, in dem es gelegentlich mehr Spaß macht, abends länger aufzubleiben und nicht mit der Angebeteten ins zu Bett zu gehen? Nun, ja, das ist es.

Es ist die genannte Unbeschwertheit, die den reizvollen Kontrast zum herausfordernden und nicht selten von Unwegbarkeiten gesäumten Zusammenleben mit der eigenen Partnerin ausmacht. Nicht, dass wir Letzteres blöde finden. Im Gegenteil: Die meisten Männer brauchen Herausforderungen, und eben auch die, die von ihrer Partnerin ausgehen,** die uns Männern all unser Einfühlungsvermögen, Verständnis, unsere Kreativität und Leidenschaft abverlangen.

Zum gelungenen Männerabend gehören hingegen nur einige einfache Zutaten, über die generell nie Uneinigkeit herrscht: Bier, Kartenspiel, Musik und ein niveauvolles Gespräch.***

Als Beispiel ein kleines Zitat von gestern abend, das mehr sagen kann als tausend weitere Worte:

Spieler A (über Spieler B): “Also, wenn ich e Mädsche wär’…”

Spieler C (hämisch grinsend): “…dann wär’ ich lesbisch.”

Spieler B grummelt.

Spieler D: “Aber so e lesbisch’ Mädsche is’ ja auch net schlecht.”

Spieler C: “Naja, aber nur, wenn’s zwei sind.”

Darum eigentlich Männerabende.

In diesem Sinne einen lieben Dank an alle Beteiligten. Und an die Damen, die über fehlende sensationelle Enthüllungen jetzt enttäuscht sind: Die meisten Typen sind letztlich harmloser, als ihr glaubt.**** Wahrscheinlich ganz so wie der Inhalt eurer Handtaschen, oder das Geheimnis, warum ihr immer zu zweit auf Toilette geht.

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* Fast abgelaufen ist aber nicht schlimm, denn alt wird das Zeug dann ohnehin nicht mehr.

** Und offenbar lohnt es sich, sonst würden Männer das nicht seit Menschengedenken immer wieder versuchen. Das mit den Frauen.

*** Körpergeräusche sind an Männerabenden akzeptierter Teil von niveauvollen Gesprächen, wenn auch keine Notwendigkeit. Als Alternative zu Bier und Kartenspiel können auch eine halbe tote Kuh und einige Flaschen Rotwein dienen.

**** Zumindest harmloser als wir denken, dass ihr glaubt.

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Ich gebe es offen zu: Ich bin ein Gamer.

Ich bin Gamer seit den ersten Kontakten mit einer Atari-Fernsehkonsole Anfang der Achtziger, vielleicht auch schon seit den ersten Malen “Mensch ärgere dich nicht” und Micky Maus-Memory. Auch wenn man Gamer damals noch nicht so nannte.

Diese Leidenschaft führte mich zum Erstkontakt mit dem derzeit erfolgreichsten MMOG (Massive Multiplayer Online Game) World of Warcraft (kurz: WoW) im August 2005. Eine gigantische virtuelle Welt, liebevoll im mehr oder weniger bunten Comic-Stil gestaltet* und bevölkert von Tausenden anderer Spieler. Vieles gab es zu entdecken, neue Leute kennenzulernen** und eine Unzahl (immer wiederkehrender) Gegner zu bezwingen. Mit WoW kann man Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre verbringen.

Richtig erkannt: WoW hat Suchtpotenzial. Man muss es genießen wie einen guten Wein mit Freunden, um seine Gefährlichkeit im Zaum zu halten. Ähnlich jedoch wie bei einem guten Wein mit Freunden muss man für eine eingermaßen sinnvolle Session WoW mindestens zwei Stunden einplanen. Zwei Stunden am Stück, denn so etwas wie eine Pausefunktion gibt es nicht, weil alles live und online passiert.

Sicher kann man seiner Spielfigur einen ruhigen Ort suchen oder sich ausloggen. Wenn man aber mit vier oder mehr anderen Spielern in der gleichen Gegend (auch: Instanz) unterwegs ist, und die ohne den dann fehlenden Spieler nicht oder nur sehr viel schwerer weiterkommen könnten. Auf Toilette gehen? Geht noch. Nahrungsaufnahme? Muss sowieso abnehmen. Schlaf? Überbewertet. Leben? Äh. Wie war die Frage?

An Urlaubstagen habe ich auch schon zehn, vielleicht sogar mehr Zeit an einem Tag in WoW verbracht. Als gelegentliche Ausnahme geht das auch voll in Ordnung. Aber als Mensch mit vielfältigen Interessen, einem Vollzeitjob, Freunden und Familie, die auch offline Kontakt aufnehmen und pflegen möchten und einer Freundin, die eben keine Gamerin und schon gar keine WoW-Spielerin ist, als solch ein Mensch sollte ich nicht darüber nachdenken, mich weiterhin langfristig in WoW engagieren zu wollen.

WoW ist ein zeitfressendes Monster, das, wenn es den verlangten Zeittribut nicht bekommt, weniger Spaß als Frust verursacht. Und das Stückchen Freizeit, was mir in der Regel bleibt, will ich mit Spaß füllen. Wahrscheinlich auch mit Spielspaß, aber auf jeden Fall mit Spaß.

Aus diesem Grunde habe ich heute mein WoW-Account gekündigt.

Seit etwa anderthalb Jahren wartet eine Gitarre geduldig darauf, von mir gequält zu werden. Ich muss zwar noch lernen, nur das Instrument selbst und nicht auch alle Umstehenden zu quälen, aber ich bin zuversichtlich. Mal schauen, was mich dieses Mal davon abhalten wird.

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* …und dabei an die zugrundeliegende (und zu Recht erfolgreiche) RTS-Serie “Warcraft” angelehnt.

** Der monatliche Preis von 11 bis 13 Euro sollte angeblich auch Idioten fernhalten. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen: Mit mäßigem Erfolg. Aber im Vergleich zu diversen kostenlosen MMO(RP)Gs ist die Deppenquote angeblich geringer.

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Es seien mehrere Dinge gesagt, bevor das hier losgeht. Zum einen finde ich Wolfgang Hohlbein wirklich gut, kann aber dank Terry Pratchett und Robert Rankin beim Verfassen eigener Geschichten nicht ernsthaft bleiben. ‘Wolle Hohlbrot’ klingt selten dämlich, und wahrscheinlich werde ich mein Pseudonym für diese Geschichten ändern (wenn denn noch welche folgen). Vielleicht auch nicht. ‘Wolle Hohlbrot’ ist aber auf keinen Fall ein Angriff auf Person oder Werk Wolfgang Hohlbeins.

Noch etwas: Bringt Zeit mit, es ist kein “Casual Reader”-Kurzpost. Es ist eine kleine Geschichte, die ich an dieser Stelle meinen DSA-Mitspielern widmen möchte.

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Es war ein dunkler Winterabend, als mich meine kältetauben Füße mit letzter Kraft in die Schänke des Dorfes trugen. Ich war auf Reisen, und Dörfer, die man abends erreicht, sehen alle gleich aus: Ein paar trübe Lichter scheinen durch schmutzverkrustete Fenster, ein dicker bärtiger Mann klaut den Pferden vor der Schänke die Rüben, und der Stadtbüttel übt sich auf seine angerostete Hellebarde gestützt in Nichtwahrnehmung seiner Umwelt*.

Ich schwor mir zitternd, nie wieder im Winter lange Fußmärsche auf mich zu nehmen und betrat die Schänke. Der Teil der Dorfbewohner, die es noch nicht nach Hause geschafft hatten, hing an der Theke und verteilte sich an zwei der drei dunklen, mittelschwer mit einer Mischung aus saurem Bier und Kartoffelsuppe verschmierten Holztische. Die Luft war zwar warm, von der Zusammensetzung jedoch ähnlich, mit einer leichten Prise Schweiß und einer gehörigen Portion Tabakrauch dazu.

Am dritten Tisch saß ein einzelner älterer Mann, mit einem bunten, runenverzierten Umhang und einem spitzen Hut. An der Wand hinter ihm lehnte ein mannshoher, verbogen wirkender Stab. Kein anderer Platz war frei, und da dieser Kerl hier genau so deplaziert wirkte wie ich, setzte ich mich ihm gegenüber. Ein zerrissen wirkender grauer Bart umrandete sein faltiges Gesicht, und sein leicht wirrer Blick musterte mich.

“Jungchen, was machst du denn hier? Egal. Schön, dass du mir Gesellschaft leistest. Ein seltenes Gut dieser Tage.” Der Alte hob sein Weinglas in Richtung des desinteressiert dreinblickenden Wirtes. “Hey, Schwachkopf! Noch eines für mich… Und eines für meinen jungen Freund hier.”

“Danke, das ist sehr freundlich”, sagte ich und versuchte Ordnung in die wirren Muster auf dem spitzen Hut des alten Mannes zu bringen. Als Kopfschmerzen drohten, hörte ich auf.

“Nun, eigentlich war das nicht sehr freundlich”, entgegnete der Alte. “Aber der Wirt ist einer von denen, denen in ihrem Leben noch viel Schlimmeres an der Kopf geworfen wurde. Bierkrüge zum Beispiel.” Ich nickte zustimmend, und freute mich über das zaghaft in meine Füße zurückkehrende Gefühl. Der Wein wurde gebracht, und die ersten Schlucke beschleunigten den Tauprozess weiter.

“So, Junge, jetzt aber raus mit der Sprache. Was in Dreiteufelsnamen machst du hier?” Der Alte nahm seinen Blick nicht von mir, als er eine Pfeife aus seinem Mantel zauberte, die einen ähnlich schiefen Eindruck mache wie der Stab hinter ihm.

“Ich bin… Schriftsteller. Ich reise, um Inspirationen zu sammeln”, antwortete ich wahrheitsgemäß. “Und was treibt Sie in diese Gegend, wenn ich fragen darf?” Der Alte lächelte, um dann mit leichtem Hüsteln die Pfeife anzuzünden.

“Ah, du bist also einer von diesen ‘Feder und Schwert’-Typen, hm? Ich bin ebenfalls auf Reisen. Sie nennen mich einen Maaahgier. Und bevor du fragst: Ja, ich kann zaubern.” Er versuchte einen einschüchternden Blick, was lediglich durch den nach vorne rutschenden Spitzhut verhindert wurde.

Magier. Ich hatte von ihnen gehört. Bisher hatte ich sie für Legenden gehalten, wie Drachen, Hexen oder Käsekuchen ohne Rosinen. Nun saß einer von ihnen vor mir. Angeblich.

“Heißt es nicht ‘Magier’, alter Mann?” fragte ich und bereute im nächsten Moment meine Worte. Hatte er die Wahrheit gesagt, so hatte mich meine große Klappe in echte Gefahr gebracht. Die Miene des Alten verfinsterte sich kurz.

“Jungchen, wenn ich ‘Maaahgier’ sage, dann meine ich das auch so. Kein Grund zum Klugscheißen. Und noch lange keiner, sich über meinen Sprachfehler lustig zu machen.” Der Alte nahm einen kräftigen Schluck Wein.

“Es… Es tut mir leid!” entgegnete ich. Verschiedene Teile meines Selbst stimmten gerade hektisch über einen Panikanfall ab.

“Zumal es ein Sprachfehler ist, der sich nur auf dieses eine verdammte Wort beschränkt. Eigentlich ein Segen, aber nicht, wenn man Maaahgier ist, so wie ich. Also keine Scherze, sonst brenne ich dir ein Loch in dein feines Hemd.” Der Alte deutete mit dem Zeigefinger auf mich, seufzte kurz und zog dann an seiner Pfeife. Mein Panikanfall wurde verschoben und wich leicht misstrauischer Entspannung.

“Mit einen Flammenstrahl aus Ihrem Finger?” fragte ich wieder etwas mutiger.

“Nein, Jungchen, mit der verdammten Kerze auf dem Tisch.” Der Alte täuschte mit der Hand eine Bewegung zur Kerze vor, die mich zusammenzucken ließ. Als er das sah, brach er in heiserer Gelächter aus. Ich zog eine Augenbraue hoch, lehnte mich zurück und trank den Rest meines Weines.

“Aber weißt du, ich kann mit meiner Pfeife ein Segelschiff herbeizaubern. Schau her…” Der Magier nahm einen Zug und nestelte an seiner Pfeife herum. Ich wartete gebannt auf die Darbietung, als mit einem mechanischen Klicken eine kleine angekokelte Stoffflagge aus dem Pfeifenkopf emporschoss, auf der ein Segelschiff aufgemalt war. Glühender Tabak verteilte sich auf dem Tisch, und der Magier klopfte sich fluchend Bart und Umhang ab.

“Das vergesse ich doch immer wieder. So ein Mist. Du siehst, auch Maaahgier werden älter, Junge!”

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Magier hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

“Noch einen Wein für meinen Freund und mich, Schwachkopf!” rief der Alte in Richtung Theke. Der Wirt nickte und brachte kurze Zeit später zwei weitere Gläser an unseren Tisch.

“Der beste, den ich Euch bieten kann, Herr”, murmelte er und verschwand wieder in den Rauchschwaden. Ich war mir sicher, dass er hier gelegentlich lüften würde, wenn man die Fenster noch finden könnte.

“Ein Maaahgier weiß, wann er seine Kräfte besser schont, Jungchen. Ich weiß, was du von mir denkst. Vielleicht hast du sogar Recht.” Der Alte leerte sein Glas in einem Zug. “Wie heißt du eigentlich?”

“Ich nenne mich Scripio, werter Herr Magier. Wie nennt man euch?” entgegnete ich. Der Alte schien kurz zu überlegen, bevor er mir antwortete.

“‘Was zum…?’ und ‘Oh nein!’ höre ich ziemlich oft. Du aber kannst dir diesen Namen merken: Alfons von Stahl.” Der Blick des Magiers strahlte einen gewissen Triumph aus, den ich erst kurz später verstehen sollte.

“Das ist ja unglaublich, Jungchen! Sieh dir das an!” sagte er und zeigte hinter mich. Ich drehte mich um. Als ich nichts sah außer der in ihre angetrunkenen Gespräche vertieften Dorfbewohner, dämmerte es mir. Ich drehte mich wieder zurück, und der Alte war verschwunden.

“So, Zeit zum Kassieren”, hörte ich den Wirt neben mir sagen. “Macht zwei Dukaten und äh… zwölfzig.”

Großartig. Ich hatte mich von einem alten Mann an der Nase herumführen lassen und war mit einem Schlag meine Reisekasse losgeworden. Von draußen hörte ich ein heiseres Kichern, gefolgt von einem “Ach, verdammt!” Mein Blick fiel auf den Stab, der noch immer an der Wand lehnte. Der Wirt strich hastig meine Münzen zusammen, während ich aufstand und den Stab an mich nahm.

Dies würde nicht meine letzte Begegnung mit Alfons von Stahl gewesen sein.

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*Was angesichts der Umwelt ein mehr als verständliches Verhalten ist.

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Zählt und kostet nix.