“Du, Florian”, sagte ich zu meinem Freund Florian, der gerade genüsslich in einer Schüssel gesalzener Erdnüsse wühlte, “Weißt du noch, vor einer Weile, da hatte ich so seltsame Träume…”
Florian schaute von der Schüssel auf und zu mir. “Ja, mit Jopi Heesters”, nuschelte er zwischen den Erdnussstückchen in seinem Mund hindurch.
“Letzte Nacht, nach langer Zeit, habe ich wieder von ihm geträumt”, erzählte ich. “Er begrüßte mich überschwänglich. Offenbar hat er mich wiedererkannt, trotz seines biblischen Alters.”
Florian hob ungläubig eine Augenbraue. “Ich glaube, der hat geblufft. Das macht mein Opa auch immer so, wenn er jemanden trifft, ganz gleich ob er weiß, wer der Typ ist. Oder die Frau. Das macht er auch bei Leuten, die er noch nie getroffen hat, nur um sicher zu gehen. Wie neulich den polnischen Stromableser von den Stadtwerken.”
“Also, ich glaube trotzdem, dass er mich wiedererkannt hat. Er schaute nämlich zuerst auf meine Füße. Dann bestellte er eine Kanne Nierentee und sagte, dass er noch mal ganz von vorne anfangen will.”
“So mit neuem Beruf und so?” fragte Florian.
“Noch weiter vorne. Mit einer anderen Grundschule. Er sagte, er fand seinen Musiklehrer in Holland damals total doof, und der hätte ihm fast seine Karriere versaut. Jetzt wollte er sich eine andere Grundschule suchen. Das hätte sein alter Musiklehrer dann davon.”
“Letzte Woche hat mein Opa meinen alten Musiklehrer getroffen und ihn freudestrahlend umarmt”, erwiderte Florian und schaute sich nach einer neuen Schüssel mit Erdnüssen um. “Obwohl er ihn gar nicht kannte. Aber Nierentee mag er auch, mein Opa.”
Ich nickte zustimmend und fragte mich, was wohl aus Florian geworden wäre, wenn er Jopis alten Musiklehrer in der Schule gehabt hätte.
Wer glaubt, ich sei schon wieder weg, der irrt sich. Meine Stille ist vor allem einem ausgedehnten Sommergrippenbesuch mit Saunagängen bei 80°C (40°C Außentemperatur plus 40°C Körpertemperatur, körpereigener Aufguss Marke “Transpiration Extrême” inklusive) zu verdanken. Ich huste mich durch den Endspurt und hoffe auf ein baldiges Ende.
Immerhin laboriere ich schon wieder.
Und sobald ich mir die Zeit nehme, schreibe ich auch wieder etwas wirklich Schönes oder Lustiges, vielleicht auch beides mit Glück.
Hat jemand mal fünf Worte für mich?
____________________________________ *Dies ist die jugendfreie Kurzform für “Sommergrippe ist ein Arschloch”.
Gestern hatte ich zusammen mit meiner Raketenwissenschaftlerfreundin und dem Nachtwächter einen wundervollen walisischen Abend mit schottischem Apéritif und Gitarren drin.
Die Stereophonics gaben sich im Schlachthof Wiesbaden die Ehre. Trotz der hochsommerlichen Hitze brachten die mittlerweile vier Jungs in einer schnörkellosen Show unglaublich viel Rock auf die Bühne, und zwar so viel, dass mein rechtes Ohr trotz Stöpsel heute fiept. Sänger Kelly Jones hatte trotz der Saiteninstrumentpräsenz keine Mühe, sich die Reibeisenstimme aus dem nicht sehr hoch gewachsenen, aber umso energiegeladeneren Leib zu singen, und zwar von der Eröffnung mit “The Bartender And The Thief” bis hin zum erweiterten “Vegas Two Times” am Ende der Zugabe.
Kurzum: Die Jungs aus Wales bewiesen dreizehn Jahre nach ihrem ersten Album aufs Neue, dass sie nicht nur im Studio, sondern gerade auf der Bühne eine Riesenmenge Spaß machen. Ganz große Hingeh-, Anhör- und Mitrockempfehlung!
Die besondere Überraschung des Abends waren die “Special Guests” Martin & James. Nicht nur, dass die beiden schottischen Singer/Songwriter in sympathischem Akzent und zum Amüsemang des Publikums ihre Freude über das 4:1 unserer Nationalelf über die Three Lions ausdrückten. Sie lieferten eine Unplugged-Performance ab, die absolut mitreißend und anrührend war und ein Publikum begeisterte, dass eigentlich für elektrische und härtere Töne gekommen war. Vocal Harmony in Kombination mit emotionsgeladenen Texten und Mitsummmelodien wie eine sehr gelungene Kreuzung aus Jack Johnson und Damien Rice. Reinhören und mitträumen!
YouTube ist ‘ne alte Zicke, ich hoffe, das Video funktioniert irgendwann…
Falls jemand wissen mag, wo ich derzeit bin: Bitteschön. Und wer als Erster errät, in welcher deutschen Stadt dieses Foto entstand*, darf sich fünf Worte wünschen, die ich dann verdichte. “Rektale Phase” zählt nicht.
Und wie du wieder riechst…
[edit] Dort, wo das Foto entstand, bin ich derzeit nicht… [/edit]
______________________ *Tipp: Es ist eine Stadt mit Zoo und sie liegt in Neufünfland.