So. Da war Frau Meise schnell und ausdauernd genug und hat meine Fünf-Worte-Anfrage endeckt. Tohuwabohu, Coulrophobie, Zahnarzt, Innensechskantschraubendreher und ominös soll ich in ein Gedicht gießen. Hui. Herausforderung angenommen, Frau Meise!

*****************************************************

In Texas jüngst ein Zahnarzt (mit
Coulrophobie) nach Houston ritt,
um vor Ort einen Zahn zu ziehen.
(Das Pferd war, nebenbei, geliehen.)

Im Vorort, dort, wo sein Patient
jetzt wohnte (er kam einst aus Ghent),
da nahm der Zahnarzt sich ein Zimmer
und ließ das Pferd im Stall (wie immer).

Der Dentist (am nächsten Morgen)
hatte zwischenzeitlich Sorgen.
Er war regelrecht nervös –
Sein Patient schien ominös.

Was tat’s den Zahnarzt übel grau’n,
als er ihn sah – es war ein Clown!
Er sprang zur Tür und dabei schrie
er: “Ich hab’ doch Coulrophobie!”

So könnte er ihn nicht behandeln,
da wär’ rein gar nichts zu verhandeln!
Dem Zahnarzt war es sehr, sehr schaurig –
da wurde der Herr Clown sehr traurig.

Auch er (das glaubte man ihm nie!)
leide an Coulrophobie.
Ein Clown mit Angst vorm Spiegelbild –
das wär’ beim Auftritt halb so wild.

Hingegen sei beim Zähneputzen
(und mit Spiegel Barthaarstutzen)
Tohuwabohu* im Badezimmer –
kürzlich kam es noch viel schlimmer.

Beim Morgenblick ins Spiegelbild
da warf Herr Clown vor Angst ganz wild
seinen neuen Innensechskant-
schraubendreher an die Wand.

Das Werkzeug flog zurück mit Schmiss
mitten in Herrn Clowns Gebiss.
Das tat sehr weh und, nun, seither
da wackelte ein Eckzahn sehr.

Just diesen bitte er zu ziehen –
danach könne der Arzt gern fliehen.
Da willigte der Zahnarzt ein –
so schwer könnte das gar nicht sein!

Er zog den Zahn mit Augen zu –
tatsächlich klappte es im Nu!
Er zog vier falsche nur zuvor –
Herr Clown nahm das mit viel Humor.

“Vielem Damk, Mifter Demtift,
iff fimde, daff du klaffe bift!”**
Zum Dank, da tat unser Herr Clown
den Zahnarzt mit viel Schwung verhau’n.

Denn der Clown – na, raten Sie –
hatte Oralophobie.***
Exakt dieses wurde just
ihm erst hier und jetzt bewusst.

Der Zahnarzt suchte schnell sein Heil
in Flucht und fluchte alleweil
über die Coulrophobie,
böse Clowns und Therapie.

So lernet daraus, wenn ihr wollt –
Begegnet Clowns nie ohne Colt,
und hört mal, wenn ihr’s sonst nicht tut,
auf eure Angst. Sie meint es gut!

________________________________
*Lesen Sie doch bitteschön “To’wabohu”, sonst haut mich die Metrikpolizei wieder so dolle. Danke.
**Ganz genau hat das leider niemand verstanden. Seien Sie jedoch versichert, dass der Clown auch unter seiner Clownsschminke lächelte.
***Es geht dabei wirklich um Angst vorm Zahnarzt, nicht etwa um Angst vor einem Praktikumsplatz bei Bill Clinton.

Tags: , , , , , , , , , ,
11 mal Senf zu “Fünf Worte, ein Gedicht: Der Zahnarzt, dem die Clowns vertrauen”
  1. frauvau sagt:

    Ge-Ni-Al!!!! 🙂 Haben sehr gelacht.. (hab’s dem Liebsten vorgelesen)!

  2. Scheibster sagt:

    Liebe FrauVau, vielen lieben Dank und Grüße an den Liebsten. Testen Sie gerade, was Sie so mit ihm anstellen können, bevor er die Flucht ergreift? 😉

  3. Meise sagt:

    Ich bin mal wieder völlig geplättet und ziehe – bestimmt zum hundertdrölfsten Male – meinen imaginären Hut. (Ich habe zwar auch einen echten, den ziehe ich nur nie, der soll schließlich seine Form behalten. ;))

  4. frauvau sagt:

    Also ein bisschen mehr als ein tolles Gedicht brauchts da schon 😉

  5. Die Wunderbare Welt des Wissens sagt:

    Extreme poetische Höchstleistung, die der Herr Scheibster hier aus dem Ärmel zaubert. Respekt!!

  6. Scheibster sagt:

    @Meise: Ja danke und gerne, liebe Frau Meise. Bedenken Sie, dass Sie den Grundstein zu diesem Gedicht lieferten, und passen Sie gut auf Ihren Hut auf!

    @FrauVau: Das finde ich beruhigend. Mir scheint, Ihre Wahl war weise. 🙂

    @Die Wunderbare Welt des Wissens: Liebe Frau WdW, die musste auch dringend aus dem Ärmel raus, so schwül wie es heute war. Merci beaucoup!

  7. Spandau sagt:

    Ich liebe diese schöne und informative Artikel. Dank für teilen.

  8. Scheibster sagt:

    Sehr gerne, werter Herr Spandau!

  9. Markus Kohler sagt:

    Echt lustig das Gedicht, ich habe mich sehr amüsiert. Vielen Dank.

  10. Scheibster sagt:

    Vielen Dank, werter Herr Kohler. Was mich brennend interessiert: Was hat Sie eigentlich an diesen Ort geführt?

  11. Scheibster » Dentalhumor sagt:

    […] Die Frau Ebner* nämlich. Die hat in mühevoller Kleinarbeit das Internet durchkämmt und ist dabei auf etwas gestoßen, auf das interessanterweise schon andere Zahnärzte vor ihr gestoßen waren, alle Google sei […]

Gib deinen Senf dazu.

Jede Mahlzeit braucht einen Blutigen, der sie ausbricht.

Zählt und kostet nix.