Wednesday (After-)Noon Poem Club: Der möblierte Mann

Wednesday (After-)Noon Poem Club: Der möblierte Mann

Damit Frau Cara nicht denkt, ich würde kneifen.

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Gestern sprach ganz unverhofft
ein Typ mich an. (Passiert ganz oft.)
Er sagte, er wär’ Niederbayer
und stünde sehr auf Biedermeier.

Doch nicht die Möbel, hach, oh nein,
die Sängerin Jeanette sollt’s sein!
Darauf ich: “Mein lieber Mann,
Jeanette heißt aber Biedermann.”

Als seinen Irrtum er erkannt,
da schlug der Bayer sich die Hand
so feste auf die Stirne, dass
er umfiel. (Er war richtig blass.)

Ich fand das alles sehr dramatisch,
der Niederbayer war apathisch,
drum bat ich ihm (er war am Schwitzen),
‘nen alten Holzstuhl an zum Sitzen.

So kam es, dass, obwohl sein Herz
Jeanette gehörte (echt kein Scherz),
er auf Biedermeier so lang’ saß,
bis er die Biedermann Jeanette vergaß.

Doch schließlich ging der Niederbayer
nach Hause (und mir auf die Leier).
Ich tat Jeanettes Nummer wählen:
Das musste ich ihr gleich erzählen!

Jeanette war mäßig irritiert,
dass man als Stück sie tituliert,
(und wenn auch nur als Möbel-) und
legte dann auf, ganz ohne Grund.

Der Bayer fand übrigens den Stuhl,
auf dem er saß, derartig cool,
dass er ihn von mir kaufen wollte,
egal, was er auch kosten sollte.

Er zahlte den genannten Preis
(leise murmelnd: “Du Saupreiß“),
doch eines gilt für mich fortan:
Jeanette, die ruf’ ich nicht mehr an!

15 thoughts on “Wednesday (After-)Noon Poem Club: Der möblierte Mann

  1. Scheibster, Sie sind ein Gott der Poesie. Das erkenne ich (nicht ganz neidlos, zugegeben) an. Allein die ersten beiden Zeilen sind pures Gold. Und die dramatische Entwicklung, 1A. Scheibster, bleiben Sie nicht zu lange fort, ja?

  2. Im Leben nicht hätte ich gedacht, daß Sie kneifen, schillerndster Scheibster – Sie doch nicht!
    Und mit Freuden sehe ich, daß auch Sie offenbar mindestens 18 Semester Zeilenumbruch studiert haben, wie es auch mein Freund Peter Pan, der promovierte Lyrotechniker getan hat.
    Er war es auch, der mir dereinst ein Brecht Zitat höchspersönlich zurechtschliff und welches da lautet:
    “Von den Orgasmen die ungleichzeitigen
    und von den Reimen die abgebrochenen”.

    Weitere Höhepunke in allen Künsten
    wünscht Ihnen
    Ihre Cara

  3. @weltdeswissen: Vielen lieben Dank! Für Kritik bin ich im übrigen durchaus offen. Falls was auffällt: Nicht damit hinterm Mond bleiben!

    @Cara: 18 Semester plus eines im Ausland, beste Frau Cara. Und Peter Pan wie auch Bert Brecht nebst dessen völlig unbekanntem Schwippschwager Ernie wissen, wo des Bartels Hammer hängt!

    @Frau Vivaldi: Mal ein bisschen dichter, mal ein bisschen un-. Sie sagen es, liebe FrauVau!

  4. @Marco: Ah, c’est quand je dis “Merci bien!”

    @Nachtwächter: Jaja, und wie ich wieder ausseh’, Löcher in der Hose, und ständig dieser Lärm!

  5. Lärm? Hören Sie Stimmen, wertester Scheibster?

    Könnten Sie nicht einen reimenden Spamfilter konsturieren? das käme mir so sehr entgegen, wenn die Sonne mal wieder nicht scheint und der Solarrechner deshalb nicht geht… und kreativ wäre das.. uiuiui 🙂

  6. Sie fordern Kritik ein, habe ich gehört?
    Nun, an sich hat das Werk nur einen Fehler; nämlich den, dass nicht Liv Tyler die Hauptrolle spielt. Demnächst bitte wieder mehr tolle Frauen und weniger peinliche Mädchen. Danke.

  7. Sehr schöne Konklusion. Etwas holprige Metrik, aber wen kümmert’s, wenn man eh mehr am Lachen, denn am Lesen ist *gg* Wieder einmal saustark, Scheibster :-))

  8. Herr Scheibster, eine Woche nun,
    und das ist wirklich lang,
    ruht schon Ihr Blog und ich muss tun
    was Ihnen sonst gelang.

    In meiner Praxis, gar nicht fein,
    die Kasse zahlt es nicht,
    verfasse ich nun Reim um Reim
    und Scheibster liest es nicht.

  9. Ja Tach Herr Scheibster,
    da schreibt er seit Jahr und Tag an einem gar lesbaren Blog und ich Napfschnecke sehe das erst jetzt. Das muss auf meine “wird fast täglich gelesen”-Liste und gleich verlinkt.

    Bis zum nächsten Rinderwahn im Hause L.

    Gruß,
    Jan

  10. @WeltdesWissens: Ein reimender Spamfilter wäre sofort mein. Aber ich finde reimen ehrlich gesagt schwieriger als Rechnen, wobei beides gewisse Ähnlichkeiten aufweist. In meinem Hirn jedenfalls.

    @Chlorine: Aber, aber, liebe Frau Chlorine, der Teufel steckt hier im Detail. Jeannette rufe ich nicht mehr an, Liv hingegen schon, wenn ich die Nummer wiederfinde.

    @Träger des Lichts: Besten Dank! Bei Gedichten dieser Art werde ich die Metrik stets zu Gunsten humoristischen Inhalt opfern, wenn es zwischen beiden einen Konflikt gibt, den ich nicht binnen einer Stunde lösen kann. 🙂

    @pulsiv: Vielen Dank für die Raketenblumen!

    @Doktor Pé: Mein lieber Herr Medizinalrat, da ich nun zurück in diesem Labor bin, wird sich das ändern, bien sur!

    @BlueGerbil: Ja, hallo erst mal, mein lieber Jan, und herzlich willkommen. Ich sehe, ich muss meine Marketingstrategie überdenken, oder überhaupt mal eine aufstellen. Und linken finde ich immer toll!

    @WeltdesWissens:

    Doch springen Sie nicht allzu hoch,
    denn wie schnell ist es schon passiert:
    In der Zimmerdecke klafft ein Loch,
    und kein Schwein da, der’s repariert!

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