Robert, der heimliche Torschützenkönig

Robert, der heimliche Torschützenkönig

Mit einem überirdischen Fallrückzieher und einem speichelreich laut gedachten “Bamm!” zirkelte Robert, der heimliche Torschützenkönig der Kreisoberliga, das schwarzweiße Rundleder zwischen die Pfosten. Er landete dabei unsanft auf seinem Rücken, doch der Jubel, der ob seines kühnen Treffers aus den Rängen schallte, entschädigte ihn einfach für alles.

Ein paar wenige Buhrufe waren zu hören, doch die erhobenen Daumen, die einige Feldspieler Robert zeigten, ließen ihn das ignorieren. Und nicht nur das: Robert hätte auch um Haaresbreite seine Auswechslung verpasst.

Mit dem ungläubigen Gesichtsausdruck eines Schornsteinfegers, der gerade ein Nashorn auf einem Fahrrad hatte vorbeifliegen sehen, schlurfte Robert, der heimliche Torschützenkönig der Kreisoberliga, auf seinen Trainer zu.

“Warum wechselst du mich jetzt aus, im Moment meines Triumphes, und lässt den Einbeinigen Florian* spielen?”, fragte Robert empört. “Das war mein dreißigstes Tor diese Saison! Sieh’ nur, wie die Leute jubeln!”

Der Trainer jedoch schickte Robert unbeirrt auf die Bank, nicht ohne kräftig dabei zu fluchen und darauf hinzuweisen, dass es schlecht sei, bei einem Auswärtsspiel von der Mehrzahl der Zuschauer und den gegnerischen Feldspielern applaudiert zu bekommen, und dass dieses dreißigste Tor der Saison gleichzeitig sein verdammtnochmal fünfundzwanzigstes Eigentor gewesen sei, und dass er froh sein könne, dass Johnny Trittfest vom FC Dingsda gekauft worden sei, und die Vollidioten in Roberts Verein das für Johnny geplante Budget lieber in eine Stadionpommesbude und ihn, Robert, den heimlichen Torschützenkönig der Kreisoberliga, investiert hatten.

Robert, der heimliche Torschützenkönig der Kreisoberliga, winkte den Zuschauern auf der Haupttribüne zu und setzte sich traurig auf die Ersatzbank. Während der Einbeinige Florian ein Kopfballtor nach dem anderen schoss, dachte Robert sehnsüchtig an jene glanzvollen Zeiten, als er noch von einer Karriere als Konzertpianist und Mezzosopran an der Wiener Staatsoper träumte.

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* Der Einbeinige Florian hatte zwei bestens funktionierende, gesunde Beine, zog es jedoch vor, sich immer nur auf dem rechten fortzubewegen, und das linke hinter seinem Hintern hochzuhalten. Er verstand das als einen Teil seiner Altersvorsorge, schließlich würde er später ein unbenutztes, nahezu neuwertiges linkes Bein zur Verfügung haben. Und entgegen dessen, was Sie gerade denken, war der Einbeinige Florian durchaus in der Lage, Fußball zu spielen, auch wenn er den Ball am liebsten mit seinem Kopf annahm und oft auf seinen Händen lief.

7 thoughts on “Robert, der heimliche Torschützenkönig

  1. Liebe wissende Dame, wenn Sie besser Fußball spielen als der Einbeinige Florian, so ist Ihnen ein Stammplatz in der Mannschaft sicher. Falls nicht, sollten Sie wenigstens gute Pommes machen können.

  2. Robert, werter Herr Scheibster, sollte sich von seinem Weg nicht abbringen lassen. Eines Tages wird sich das alles fügen und Robert wird sagen: Aha, deshalb.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  3. Einmal Pommes, kommt sofort!

    Ich will doch nicht Fussball spielen, sondern Robert zum Gegentore schießen in eine feindliche Mannschaft einschleusen, werter Scheibster!

    Mich interessiert Fussball gar nicht, so sexy können die Männer gar nicht sein, die da mitspielen :lol

    PS: Die Matheaufgaben werden immer leichter. Dann könnse die auch gleich weglassen 😉

  4. @JayNightwind: Willkommen hier, besten Dank und gerngeschehen!

    @weltdeswissens: Es ist kurz vorm Wochenende, da dürfen die Matheaufgaben auch gar nicht so schwer sein, liebe mondänwissende Dame. Und Robert in die gegnerische Mannschaft zu stecken ist ein sehr perfider Plan, aber ich glaube, da würde er sich nicht wohlfühlen. Schließlich haben die alle andere Trikots.

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