Au-ge um Au-ge

Au-ge um Au-ge

Es traf einst Descartes Rousseau
auf einen Kaffee oder zwo,
um intensiv zu diskutieren
über Gefühle – die von Tieren.

“René”, sagte Rousseau zunächst,
“Ich weiß, dass du zu denken pflegst
(ob dass du seist), es sei das Tier
frei von Gefühl jeder Manier.”

“Das ist, mein lieber Jaques, ganz wahr,
und jedem Denker sonnenklar:
Tiere sind wie Automaten,
fühlen kaum mehr als mein Spaten*.”

Rousseau fand diesen Standpunkt scheiße,
warum’s dann “Au-tomaten” heiße,
alleine darin stecke schon ein Schmerz.
Auch Pf-au und Aua-hahn besäßen Herz!

Descartes, der dachte nach (ein Weilchen),
nahm dann den Spaten, schlug ein Veilchen
ins Au-ge von Jean-Jaques Rousseau,
trank den Kaffee und ging aufs Klo.

Zurück vom Ort rief er: “Adieu!
Ich habe Denkerdiarrhoe!
Doch du, cher Jaques, du hast ganz recht:
Auch Blumen können schmerzen. Echt!”

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*Wer sich gerade fragt, woher Rousseau den Spaten hatte, dem sei gesagt, dass der berühmte Philosoph auch ein begeisterter Hobbygärtner war und stets einen Spaten bei sich trug.

9 thoughts on “Au-ge um Au-ge

  1. Klasse Pointe. Und so geistreich obendrein.

    So geht’s übrigens weiter – in Prosa -*:

    Daraufhin kommt der Ober hinzu, fragt Decartes, ob er noch etwas bestellen möchte. Decartes antwortet: “Ich denke nicht”, und, schwupp, ist nicht mehr 😉

    Dein Lichtträger

    * ich muss es tun, diese Steilvorlage!

  2. Grandioses Gedicht, Applaus!

    (noch eins zum Thema: )

    Es stammt von Herrn René Descartes
    die altbekannte Redensart:
    »cogito, ergo sum« (was wohl
    »ich denk’, drum bin ich« heißen soll.)

    Hier taucht die Frage auf: warum
    dann auch ein Schwachkopf, der zu dumm
    zum Denken ist, es fertigbringt,
    dass dem trotzdem zu sein gelingt?

  3. @rebhuhn: Dabei hatte dieses Werk seinen Ursprung in einem von mir gelesenen Artikel über Gefühle von Tieren und den “Au-tomaten”… Denkerdiarrhoe ist daher als sinnbildlich zu betrachten. 🙂

    @nömix: …was dann ja wohl von diesem Herren hier ist, mein lieber Herr nömix, aber nichtsdestowenigertrotz sehr treffend! 🙂 Und besten Dank für den Applaus!

    @Doktor Peh: Lieber Medizinalrat, das wiederum könnte bedeuten, dass JFK, Gott habe ihn selig, eigentlich Berliner hasste und sie wegwerfen wollte.

  4. Ja , dieser Herr bin ich selber, der ist mein Alias. (Bitte verraten Sie mich nicht ; )
    Selbstverständlich würde ich unberechtigt keine fremden Texte wiederveröffentlichen.

  5. JFK könnte aber auch ein altbackenes, marmeladegefülltes und in Fett ausgebackenes Hefeteilchen bekommen haben, dereinst. Um dann Übersetzungsfehler in Richtung “Kreml” statt “Kreppl” zu vermeiden, nutzte er einen einfacheren Begriff.

    Bis Arabien scheint sich das allerdings nicht durchgesprochen zu haben, würde sonst Osama sein Geschäft entsorgen wollen?

  6. @nömix: Mein lieber Herr nömix, das erklärt dann so einiges. Sehr schöne Werke, die ich bei Ihrem Alias las!

    @Doktor Peh: Das war aber sein Bruder bin Tanken, mein lieber Nierensteinrat.

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