Müdigkeitstrunken schlurfte ich in die Bahnhofshalle und wurde von seiner Herrlichkeit fast erschlagen.
Bin ich nicht herrlich? fragte mich seine Stimme in meinem Kopf.
Nun, du bist herrlich groß, und wenn du nicht so groß wärst, wärst du so kitschig, dass es quietscht, und zwar mit bunten Funken, waren meine Gedanken.
Huldige meiner Herrlichkeit! Siehe, wie ich erstrahle! befahl die Stimme, die außer mir tatsächlich niemand zu hören schien.
Ich mach’ mal ein Foto und denke darüber nach, dachte ich, machte ein Foto, stieg in den Zug und schlief mit schillernd bunten Gedanken über die mannigfaltigen Auswüchse des Konsumanheizterrors und die CO²-Neutralität seiner Herrlichkeit ein.
Wanderer, kommst du nach Frankfurt, so parke deine Rakete nicht am Westbahnhof.* Warum, fragst du?
Weil das eine echt beschissene Idee ist.
Von wegen die Taube auf dem Dach ist besser als der Spatz in der Hand. Flugferkel, elende!
_________________________ *Es sei denn, du hast zuhause eine Raketenwaschanlage.
Kann mir jemand verraten, warum die Umlaufbahnen, die ich auf dem Weg zu meinem Raketenlabor befliege, während des Bahnstreiks frei sind, die Landeplatzsuche aber eine Dreiviertelstunde dauert, und wenn nicht gestreikt wird, der Orbit dicht ist, aber die Landeplatzsuche nur zwei Minuten braucht?
Heute morgen eine Dreiviertelstunde in Frankfurt einen Parklpatz gesucht, um dann einen nehmen zu müssen, der mich mit tödlicher Sicherheit einen blauzetteligen Gruß kosten wird.
Die Anzahl meiner Konzertbesuche dieses Jahr ist so inflationär hoch wie nie zuvor, doch was ich heute erleben durfte, ist eindeutig aus dem Rahmen gefallen.
Zusammen mit Nachtwächter MacLeod suchte ich die Batschkapp auf, wo unter dem Deckmantel des Geburtstages eines gewissen Jack D. die Stereophonics gebucht waren. Die Waliser Formation um Sänger und Gitarrero Kelly Jones trat an, um in der sehr familiären Atmosphäre der Lokation vor etwa fünfhundert bis eintausend Zuschauern Rock vom Allerfeinsten zu spielen. Um es genauer zu sagen: Kelly Jones ist Rock. Mit seiner sehr markanten Stimme, energiegeladenen Riffs und einem leidenschaftlich engagiert drummenden Javier Weyler brachten die Phonics die Menge zum Jubeln, Tanzen, Springen und Singen. Und zwar so oft und dauerhaft, dass ich nach den “nur” rund achtzig Minuten Konzert vollkommen am Ende war.*
Das Fazit ist kurz und knackig: Was ein arschgeiles Konzert!
Die Stereophonics in nur fünf Meter Entfernung: So müssen Rockkonzerte sein.
Wer die Chance hat, diese exzellente Liveband zu erleben, sollte sich das nicht entgehen lassen. Das Repertoire ist nach mittlerweile fünf (und ab Oktober sechs) Alben mehr als reichhaltig, und für die, die Stereophonics noch nicht kennen, sei anbei eine Kostprobe ihres 2005er Albums “Language. Sex. Violence. Other?” mitgegeben.
Haut rein!
Stereophonics – Dakota
_________________________ *Zugegeben: Der sehr feierintensive Verlauf des Wochenendes, an dem mich unter anderem der Herr Wolf auf dem Bad Nauheimer Weinfest enttarnte entdeckte, hatte keinen guten Einfluss auf meine Kondition an diesem Abend.