Letzte Nacht, mit ohne Jopi Heesters (5)

Letzte Nacht, mit ohne Jopi Heesters (5)

“Du, Florian”, sagte ich zu meinem Freund Florian, der gedankenversunken an einer Tasse Tee nippte. “Ich hatte letzte Nacht so einen Traum. So einen wie die, in denen ich sonst immer Jopi Heesters gesehen habe.”

“Hmm”, murmelte Florian, ohne seinen Blick von seiner Teetasse zu nehmen.

“Aber dieses Mal war er nicht da. Dabei wollte ich ihm von meinem Grundschulmusiklehrer erzählen und ihm meine neuen Schuhe zeigen. Ich habe auf ihn gewartet, bis kurz bevor ich aufgewacht bin. Aber er ist einfach nicht erschienen. Und das, obwohl sein weißer Schal über dem Barhocker neben mir lag. Da war ich ein bisschen traurig.”

“Vielleicht hatte er etwas Besseres zu tun”, mutmaßte mein Freund Florian und schaute mir das erste Mal an diesem Abend in die Augen. “Ganz ehrlich, ich mag deine Schuhe, aber was hätte Jopi dazu sagen sollen? Er ist doch mittlerweile schon völlig blind. Außerdem: Deine neuen Schuhe quietschen, wenn die Sohlen nass sind.”

“Am Ende hat er wirklich noch einmal ganz von vorne angefangen. Irgendwo anders. Jedenfalls habe ich mir schließlich seinen weißen Schal genommen, mir angezogen und ‘Ich träume jede Nacht von Ihnen’ gesungen.”, sagte ich und bestellte mir auch eine Tasse Tee. “Und das Letzte, an das ich mich erinnern kann, bevor ich aufwachte, war ein heiseres Lachen. So wie damals, als Jopi darüber lachte, dass ich keine Schuhe anhatte.”

“Weißt du”, sagte Florian und leerte seinen Tee, “Wenn deine neuen Schuhe mal nicht quietschen, sind sie echt nicht übel.”

“Jopi hätte sich bestimmt darüber gefreut.”

“Ja, das hätte er.”

3 thoughts on “Letzte Nacht, mit ohne Jopi Heesters (5)

  1. Jopi’s shoes were made for walking,
    now they walk in heaven
    The yellow press stops talking
    that’s just la la la*

    Er war auch ein guter Kerl. Ruhe in Frieden.

    * zu singen mit der bekannten Melodie

  2. Hundertacht Jahre. Respekt. Und auch nur, weil Gevatter Tod den Holländer eigentlich an der Rastanlage Büttelborn abpassen wollte, aber Jahrzehnte vergeblich auf den Wohnwagen wartete.

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